Rongo

Rongo ist maori und bedeutet Frieden. Mehr durch Zufall bin ich im kleinen 200 Einwohner Ort Karamea gelandet, oder besser gesagt mehr ein Kaff, aber ein liebevolles. Es ist 100km nördlich von Westport, die Strasse hierher schlecht und sehr kurvenreich, weswegen sich nur wenige Menschen nach Karamea verirren. Genau der richtige Platz um ein Projekt wie Ronge auf die Füsse zu stellen. Paul der Besitzer hat es vor einem Jahr ins Leben gerufen. Zusammen mit Menschen aus aller Welt hat er Stück für Stück dieses Hostel aufgebaut und es mit Kunstobjekten gefüllt.
Nach einem längeren Gespräch kommt mir die Sache mit Frieden und Kunst etwas oberflächlich vor, doch ich beschließe einfach einen Tag und eine Nacht mitzuschwimmen und es auf mich wirken zu lassen. In einem Schuppen hinter dem Haus wurde ein kleiner lokaler, illegaler Radiosender eingerichtet. Und wie es der Zufall will, ist heute abend eine Sendung, der ich auch gerne beiwohnen darf. Nachmittags gehe ich an den Strand, lege mich auf die schönen warmen Steine und schlafe ein Weilchen.

Träumen am Strand

In Rongo wird einfach jeder kreativ und so setze ich mich ans Klavier im Gemeinschaftsraum und versuche so lange Klangfolgen, bis eine Melodie dabei entsteht. Ich hab mir vor einigen Jahren selbst das 10 Finger System beigebracht, ob man sich auch selbst das Klavierspielen beibringen kann?
Um 19Uhr beginnt auch schon die Radiosendung, heute steht Blues auf dem Programm. Ein Freund von Paul modiert zusammen mit ihm, aus dem Dorf finden sich viele in der Scheune auf ein Bier ein. Ich unterhalte mich köstlich mit einem Mädel aus Dänemark, die hier schon fünf Monate ist, weil es ihr so gut gefällt.

On Air

Zu vorgerückter Runde spricht Paul in sein Mikrofon „Now a song for Michael from Germany“. Die Stimmung ist gelockert und wir öffnen eine Flasche Absinth. Danach macht ein Joint die Runde. Ich nehme einen tiefen Zug.
Meine Zimmergenossin muss am nächsten Morgen früh raus und so stehe ich auch mit auf, um mehr vom Tag zu haben. Die ersten Sonnenstrahlen kommen schon durch die Wolkendecke. Ein schwarzer Tee mit Milch und ein Pumpernickelbrot mit Avocado machen mich munter und bevor ich Rongo wieder verlasse, verewige ich mich, wie viele andere, an der Wand.

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