Merry Christmas!

So stehe ich da und warte auf den Bus, der mich von Hamilton nach Raglan bringen soll, einem Surferparadies an der Westküste.

WartenBus

Meinen schweren Rucksack verstaue ich unten im Bus, steige ein und habe Schwierigkeiten einen Platz zu finden, da es sich um einen Schulbus handelt. Auf der 50 Kilometer langen Strecke bis nach Raglan ist fast jedes zweite Wort aus dem Mund der Teenager fucking oder bitch.
Das Hostel liegt diesmal direkt am Ufer und abends feiern wir zusammen am warmen Lagerfeuer Wintersonnenwende. Es werden süße Marshmallow gegrillt und eine menschengrosse Strohpuppe verbrannt.

Sonnenwende

Am nächsten Tag leihe ich mir ein Kanu und paddle damit bei Sonnenschein etwas im Hafen umher. Es ist zwar kalt und anfangs habe ich Angst umzukippen, doch nach einer Weile entspanne ich und sitze nicht mehr so verkrampft in der Nussschale.

Kanufahrt

Da es im neuseeländischen Winter kein Fest gibt, auf das man sich freuen und zuleben kann, gibt es den Brauch ein Mittwinterweihnachten zu feiern. Am 24. Juni nähen wir jeder einen Strumpf, der dann an einer Leine aufgehängt wird, damit Santa Claus etwas hineinlegen kann. Da auch gewichtelt wird, kaufe ich im Eine Welt Laden in der Stadt eine Karte und eine Kaffeetasse und aus dem Supermarkt ein Ü-Ei welches hier Kinder Surprise heißt.
Am Morgen des 25. Junis ist es dann soweit. Gespannt sehe ich nach, was in meinem Strumpf ist. Einen Sonnenhut, einen Regenumhang und Süßigkeiten habe ich bekommen. Mittags gibt es ein Weihnachtsessen bestehend aus vielen verschiedenen leckeren Speisen. Wir singen „Rudolf The Red Nose Reindeer“ zusammen und etwas kommt in mir Weihnachtsstimmung bei den ganzen Bräuchen und der tierischen Kälte hoch.

Weihnachtslunch

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All Blacks

Rachel und Grant kommen beide aus England. Da wir uns die letzten Tage so gut miteinander verstanden haben, fragen sie mich ob ich spontan mit auf ein Rugby Match komme, welches in 2 Stunden nicht weit vom Hostel im Eden Station statt findet. Die All Blacks, die neuseeländische Rugby Nationalmannschaft trifft dabei auf Irland, eines der populärsten Spiele des Jahres. Ich sage den beiden zu, auch wenn ich meine Vorurteile gegen Rugby habe, will ich es mir doch einmal vor Ort im Station mit der ganzen Atmosphäre ansehen und erleben. Karten gibt es noch, als wir uns an der Schlange anstellen. Sogar relativ nahe am Spielfeld sitzen wir. Ich kaufe mir drei Plastikflaschen Bier und einen American Hot Dog. Nachdem die Nationalhymnen verklungen sind, zeigen die All Blacks ihren traditionellen Haka, ich würde es einmal als Kriegstanz bezeichnen, bei dem die Gegner abgeschreckt werden sollen. Unter anderem wird die Zunge dabei rausgestreckt – mir kommt es alles etwas barbarisch vor. Und auch das Spiel selbst stellt sich als mehr oder weniger barbarisch heraus, wenn die Männer Haufen bilden, in dem sie sich übereinander legen um nach dem Ball zu grapschen.

RugbyAllBlacks

Einige Aktionen finde ich aber auch toll z.B. wenn ein Spieler in die Luft springt und die anderen ihn an seinen Hüften stützen, damit er höher nach oben kommt um den Ball zu erwischen. Die meiste Zeit regnet es und in der Pause hole ich mir einen Hot Dog am Holzspiess. Wie erwartet gewinnen die All Blacks mal wieder und zurück im Hostel nehme ich erstmal eine heisse Dusche.
Am nächsten Morgen heisst es Abschied von Rachel und Grant zu nehmen, sie fahren weiter gehn Norden und ich will nach Waiheke Island, einer Insel welche mit der Fähre von Auckland aus in 40 Minuten zu erreichen ist. Die Sonne scheint seit Tagen wieder einmal und als ich mit meinem Rucksack losmaschiere wird mir erst so richtig klar, das ich jetzt wirklich keine Ema mehr habe. Die Insel ist nicht sehr gross und von manchen Stellen kann man von der einen zur anderen Seite sehen. Es gibt schöne Strände und mitten im Busch finde ich meine Bleibe für die nächsten zwei Tage.

WaihekeStrand

Saisonbedingt sind nur wenige Rucksackreisende unterwegs und ausser dem Besitzer und mir ist nur noch Joko aus Japan zur Zeit im Hostel, die hier gegen freie Unterkunft putzt. Da es wieder zu regnen anfängt bleibt mir nichts anderes übrig als mich vor den warmen Kachelofen zu setzen, ein Buch zu lesen welches ich im Büchertausch gefunden habe und immer einmal Holz nachzulegen, damit das Feuer nicht aus geht.
Da Waiheke weltberühmt für seine guten Weine ist, kaufe ich mir eine kleine Flasche, die soviel kostet wie sonst eine Grosse.
Am nächsten Tag kommen Alec, der im Irak stationiert war und nun beurlaubt ist bis es weiter nach Afghanistan geht und José aus Chile, ins Hostel. Bei neun Grad Aussentemperatur steigen Joko, Alex, José und ich in den Whirlpool auf der Terrasse, der mir realtiv heiss vorkommt, legen unsere Köpfe zurück und entspannen.

SpapoolWaiheke

Es stinkt… immer noch!

Mein Wecker klingelt. 3:50Uhr am Morgen. Ich muss mich beeilen, den in etwas mehr als 5 Minuten wird das Eröffnungsspiel der Fussball-Weltmeisterschaft der Männer beginnen. Als ich mit kleinen Augen in den Gemeinschaftsraum komme, wartet Grand aus England schon auf mich. Er ist über Nacht wach geblieben, um sich das Spiel anzusehen. Die Fernsehkamera schwenkt zur deutschen Nationalmannschaft die sich gerade umarmt und „Einigkeit, Recht und Freiheit“ erklingt. Mir ist komisch zu Mute, habe aber ein angenehmes Gefühl im Bauch. Anpfiff.

Eroeffnungsspiel

Über 90 Minuten sehen Grand und ich ein spannendes Spiel, danach geht er ins Bett und ich ins Pub um mir das Spiel Ecuador gegen Polen anzusehen und dazu ein englisches Frühstück zu essen.
Hier in Rotorua riecht, oder noch besser gesagt stinkt, es immer noch überall stark nach Schwefel, der aus unzähligen Löcher hervordampft. Schön nach Rotorua in das dortige Hostel zurückgekommen zu sein. Hier hatte ich vor 7 Monaten Michael Coper und Julia kennen gelernt, mit denen ich mich in Christchurch noch einmal traf.
Auf dem Wochenmarkt kaufe ich frisches Gemüse und mache mich danach auf den Weg ins Hallenbad, welches dank der Erdwärme hier in Rotorua schön warmes Wasser hat.
Noch in Wellington erhielt ich eine E-Mail, das ein Packet für mich in Auckland angekommen sei. Da ich keinen blassen Schimmer habe was es sein könnte bin ich sehr gespannt und laufe gleich nach meiner Ankunft in Auckland zum „The Fat Camel“ welches ich bisher selbst noch nicht gesehen habe. Es ist ein Päckchen meiner Oma Margit, welches sie am 7. Februar abgeschickt hat und für den Valentinstag gedacht war.

Valentinstag

Es enthält den Helmbrechtser Johannisbrief, eine Grusskarte, einige Bilder, die Blüte eines Alpenveilchens, welches schon leicht vertrocknet scheint und eine Tüte Gummibärchen, die ich noch am gleichen Abend halb auffuttere.
Früh am nächsten Morgen mache ich mich auf den Weg um in den Aucklander Hostels die Verkaufsanzeigen für meine Ema zu verteilen.

AnzeigeEmaVerkauf

Drei Tage später spielt Deutschland gegen Polen. Ich hatte mir extra ein Hostel ausgesucht, welches Sky Sport, ähnlich dem Sender Premiere in Deutschland, besitzt, da ausser dem Eröffnungspiel und dem Finale kein anderes Spiel im regulären neuseeländischen Fernsehprogramm läuft. Mit mir zusammen schauen im Hostel zehn andere Deutsche und wir freuen uns alle über das Tor in letzter Minute.
Mittags als ich gerade in der Bücherei sitze um meine E-Mails zu lesen, bekomme ich einen Anruf, ob mein Auto noch zu verkaufen sei. Ich mache mit William, der so wie seine Freundin vor einer Woche aus England hier angekommen ist, einen Treffpunkt aus. Die beiden inspizieren mein Auto genau und machen eine Probefahrt. Nach fast zwei Stunden haben sie genug geprüft und entschliessen sich nach kurzer vertraulicher Beratung meine Ema zu kaufen. Natürlich wollen sie weit aus weniger zahlen als ich haben will. Am Ende treffen wir uns in der Mitte und geben uns darauf die Hand. Der Besitzerwechsel eines Autos kann in jeder neuseeländischen Poststelle vollzogen werden. Wir füllen beide jeweils ein Dokument aus. William gibt mir das Bargeld und ich ihm den Autoschlüssel. Ich wünsche den beiden allseits gute Fahrt. Mir fällt ein Stein von Herzen, das der Verkauf meiner Ema jetzt doch so schnell von Statten ging und ich nun nochmals Auckland für drei Wochen verlassen kann.

Emaweg

Emabesitzeralt

Schnee und deutsche Bäcker

Während meiner Fahrt von Wellington durch die Hügel der neuseeländischen Nordinsel, fängt es an zu schneien. Zwischendurch mache ich immer wieder Pause, da es doch ein weiter Weg bis an die Ostküste nach Napier ist. Vor 7 Monaten war ich bereits hier und es gefiel mir so gut, dass ich noch einmal wiederkommen wollte. Auch das gleiche Hostel suche ich mir wieder aus, um vier Tage in der Art Déco Stadt zu verleben.

StablesLodgeBett

Immer noch sind die Temperaturen um den Gefrierpunkt und als ich morgens aus der Unterkunft gehe, beschlägt mein Atem. Es ist ruhig geworden in Napier, viele Geschäfte machen Winterpause und man bekommt überall einen Stitzplatz.
Von einem deutschen Bäcker, der sich hier in Napier niedergelessen hat, hole ich mir ein frisches Sonnenblumenkernbrot. Ich laufe zum Strand, setze mich auf ein großes Stück Treibholz, packe das noch warme Brot aus und breche mir einfach ein Stück ab. Hmm, ist das lecker, schön knusprig und nicht so weich. Ich blinzle zur Sonne hinauf und genieße noch einen Bissen.

BrotStrand

Mit meiner Ema will ich zu Don Stuarts Werkstatt, der mir das letzte Mal schon weiterhalf, als ich hier war. Doch als ich dort ankomme, ist das Gebäude abgerissen und auch unter der Telefonnummer, ist niemand mehr zu erreichen. So schnell können Dinge sich ändern. Ob er wohl in Ruhestand gegangen ist, frage ich mich. Das Alter hätte er gehabt.
Abends sitz ich zusammen mit anderen Gästen gemütlich im Gemeinschaftsraum. Als ich meine E-Mails checke, bekomme ich Gesellschaft von George, dem 10 Wochen alten Kater.

GeorgaufPC

Verhaftet!?

Ich bin auf dem Weg hinunter zum Hafen. Es nieselt leicht und der Himmel ist wolkenverhangen. Nacheinander fahren vier Polizeiautos ziemlich schnell an mir vorbei. Wo die wohl hinwollen? Keine hundert Meter weiter drehen sie auf einmal um, fahren in meine Richtung und halten kurz vor mir an. Gleich daneben ist ein großes Einkaufszuntrum, ob es sich wohl um einen Diebstahl handelt? Aber warum dann gleich soviel Polizisten, da würden es drei auch tun. Es sieht eher nach einer Geiselnahme aus. Doch nein! Was ist das, die kommen auf mich zu. Ich kann nicht mehr klar denken, was soll ich den gemacht haben? „Stehenbleiben“ spricht mich ein Polizist an. „Wie heisst du, wo wohnst du und führst du einen Paß mit dir?“. Ich sage ihm meinen Namen, gebe ihm meinen Personalausweis und frage warum er den diese Informationen von mir wolle. „So ein Typ hat Fotos von der Amerikanischen Botschaft gemacht“. „Ja, dass war ich“, antworte ich ihm wahrheitsgemäß. Er bekommt große Augen und hört auf Notizen auf seinen Block zu kritzeln. Seine Kollegen kommen auf mich zu gelaufen. Ob ich mich jetzt gleich umdrehen muss und bekomme dann Handschellen angelegt? Eine Polizistin fragt mich „Du hast also ein Bild von der Deutschen Botschaft geknipst?“ „Von der Deutschen und der Amerikanischen“, entgegene ich. „Was, die Amerikanische Botschaft hast du auch noch fotografiert“, schaut sie mich verdutzt an. „Ist es verboten die Botschaften zu fotografieren? Welche der beiden Botschaften hat euch den geschickt“, will ich von ihr wissen. „11. September und so, du weist schon“, weicht sie mir aus. Ich bekomme von den umstehenden Kollegen viele Fragen gestellt und schließlich will einer zum Schluß noch die Tatobjekte auf meiner Kamera sehen:

DeutscheBotschaft

Das Bild von der Amerikanischen Botschaft will ich an dieser Stelle nicht zeigen, sonst ende ich womöglich noch auf Guantanamo Bay.
Während ich im Cafe sitze und einen Flat White Kaffee trinke, geht mir durch den Kopf, wer wohl die neuseeländische Polizei verständigt haben mag? Die Deutschen oder die Amerikaner? Ich tippe auf beide.