Abschied von Neuseeland

Wo meine Neuseelandreise begann endet sie nun auch. Ich bin zurück in Auckland auf auf dem Weg zu Wil und Kate, welche meine Ema gekauft hatten. Die beiden boten mir an, die letzten zwei Tage zusammen mit ihnen in ihrem Apartment zu verbringen. Von ihrem Balkon aus hat man direkten Blick auf Aucklands Skytower und den Hafen.

SkytoweramMorgen

Als kleine Aufmerksamkeit organisiere ich zwei Eintrittskarten für ein Kino nahe der Bücherei, welches unanhängige Filme zeigt. Zusammen mit ein paar Blumen überreiche ich das Geschenk beim Abendessen, welches die beiden für mich gekocht haben. Wir amüsieren uns köstlich und sprechen bei einer Flasche Wein und Käse über Gott und die Welt bis in den späten Abend.
Ich bin den beiden so dankbar, das ich meine letzten beide Tagen nicht in irgend einem Hostel verbringen muss, sondern bei Menschen die ich kenne und mag.

WilandKate

Um sieben Uhr morgens stehe ich auf um mir das Halbfinalspiel Deutschland gegen Italien anzusehen. Bis zum Schluss hoffe ich auf einen Sieg, der sich aber nicht einstellt. Etwas betrübt suche ich meine Sachen zusammen und breche zu einem Spaziergang durch Auckland auf. An der frischen Luft fühle ich mich wieder gut und versuche nach vorne zu sehen und die letzten Stunden noch zu geniessen, die mir in Neuseeland geblieben sind. Bilder schiessen mir durch den Kopf, Menschen denen ich während des letzten Jahres begegnet bin, Erfahrungen die ich machen durfte, Orte die ich entdeckt habe und schliesslich kommt in mir Vorfreude hoch, bald wieder daheim zu sein.
Morgen um 14Uhr werde ich ins Flugzeug steigen und Freitag morgens auf dem Hofer Flugplatz um 8:45Uhr landen.

Und bis wir uns wiedersehen, halte Gott euch fest in seiner Hand!

Es stinkt… immer noch!

Mein Wecker klingelt. 3:50Uhr am Morgen. Ich muss mich beeilen, den in etwas mehr als 5 Minuten wird das Eröffnungsspiel der Fussball-Weltmeisterschaft der Männer beginnen. Als ich mit kleinen Augen in den Gemeinschaftsraum komme, wartet Grand aus England schon auf mich. Er ist über Nacht wach geblieben, um sich das Spiel anzusehen. Die Fernsehkamera schwenkt zur deutschen Nationalmannschaft die sich gerade umarmt und „Einigkeit, Recht und Freiheit“ erklingt. Mir ist komisch zu Mute, habe aber ein angenehmes Gefühl im Bauch. Anpfiff.

Eroeffnungsspiel

Über 90 Minuten sehen Grand und ich ein spannendes Spiel, danach geht er ins Bett und ich ins Pub um mir das Spiel Ecuador gegen Polen anzusehen und dazu ein englisches Frühstück zu essen.
Hier in Rotorua riecht, oder noch besser gesagt stinkt, es immer noch überall stark nach Schwefel, der aus unzähligen Löcher hervordampft. Schön nach Rotorua in das dortige Hostel zurückgekommen zu sein. Hier hatte ich vor 7 Monaten Michael Coper und Julia kennen gelernt, mit denen ich mich in Christchurch noch einmal traf.
Auf dem Wochenmarkt kaufe ich frisches Gemüse und mache mich danach auf den Weg ins Hallenbad, welches dank der Erdwärme hier in Rotorua schön warmes Wasser hat.
Noch in Wellington erhielt ich eine E-Mail, das ein Packet für mich in Auckland angekommen sei. Da ich keinen blassen Schimmer habe was es sein könnte bin ich sehr gespannt und laufe gleich nach meiner Ankunft in Auckland zum „The Fat Camel“ welches ich bisher selbst noch nicht gesehen habe. Es ist ein Päckchen meiner Oma Margit, welches sie am 7. Februar abgeschickt hat und für den Valentinstag gedacht war.

Valentinstag

Es enthält den Helmbrechtser Johannisbrief, eine Grusskarte, einige Bilder, die Blüte eines Alpenveilchens, welches schon leicht vertrocknet scheint und eine Tüte Gummibärchen, die ich noch am gleichen Abend halb auffuttere.
Früh am nächsten Morgen mache ich mich auf den Weg um in den Aucklander Hostels die Verkaufsanzeigen für meine Ema zu verteilen.

AnzeigeEmaVerkauf

Drei Tage später spielt Deutschland gegen Polen. Ich hatte mir extra ein Hostel ausgesucht, welches Sky Sport, ähnlich dem Sender Premiere in Deutschland, besitzt, da ausser dem Eröffnungspiel und dem Finale kein anderes Spiel im regulären neuseeländischen Fernsehprogramm läuft. Mit mir zusammen schauen im Hostel zehn andere Deutsche und wir freuen uns alle über das Tor in letzter Minute.
Mittags als ich gerade in der Bücherei sitze um meine E-Mails zu lesen, bekomme ich einen Anruf, ob mein Auto noch zu verkaufen sei. Ich mache mit William, der so wie seine Freundin vor einer Woche aus England hier angekommen ist, einen Treffpunkt aus. Die beiden inspizieren mein Auto genau und machen eine Probefahrt. Nach fast zwei Stunden haben sie genug geprüft und entschliessen sich nach kurzer vertraulicher Beratung meine Ema zu kaufen. Natürlich wollen sie weit aus weniger zahlen als ich haben will. Am Ende treffen wir uns in der Mitte und geben uns darauf die Hand. Der Besitzerwechsel eines Autos kann in jeder neuseeländischen Poststelle vollzogen werden. Wir füllen beide jeweils ein Dokument aus. William gibt mir das Bargeld und ich ihm den Autoschlüssel. Ich wünsche den beiden allseits gute Fahrt. Mir fällt ein Stein von Herzen, das der Verkauf meiner Ema jetzt doch so schnell von Statten ging und ich nun nochmals Auckland für drei Wochen verlassen kann.

Emaweg

Emabesitzeralt

Paket aus Deuschland

Da langsam ein Paket hier eintreffen müßte, frage ich beim Travellers Contact Point in Auckland nach, ob nicht schon etwas angekommen ist. Es ist wirklich schon da! Auch sechs Briefe zusätzlich. Die Freude überwiegt, doch ich frag mich, warum ich keine Benachtigung vom TCP bekommen habe, so wie bei den letzen Briefen. Egal, ich erkundige mich gleich wielange das Paket zum nachsenden bis nach Tauranga braucht, weil dann würde ich einfach noch eine Nacht länger hier bleiben.
10 Tage! Die spinnen wohl! Trägt das Paket wohl ein Maori den Weg von Auckland bis hierher nach Tauranga? Die Wartezeit ist mir eindeutig zu lange.
Ich beschließe selbst zurück nach Auckland zu fahren, um das Paket morgen abzuholen. 200km liegen vor mir, die ich dannach auch wieder zurück muss. Zeit spielt keine Rolle, davon ich hab ich auf meinem Konto noch genügend. Höchstgeschwindigkeit ist in Neuseeland 100km/h, auch wenn man auf manchen Strassen locker das doppelte fahren könnte. So zuckel ich meinen Weg dahin und bin schon sehr gespannt, was den nun im Paket drin ist, außer den Dingen, die ich mir gewünscht habe.
Mit goßen Augen gehe ich in den TCP – ich brauche nichts mehr zu sagen, die kennen mich noch von der Geschichte mit der „Fastübernachtung“. Und da ist es – mein Packet!
Nichts wie zurück in die Jugendherberge, in der ich heute über Nacht bleibe, und auspacken!

Ein Packet und sechs Briefe, noch ungeöffnet
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Ich freu mich wie ein Schneekönig! Im Paket sind ein paar Sachen, an die ich nie gedacht hätte. Am meisten freu ich mich über Kassetten mit Liedern von Reinhard Mey, Hannes Wader, Konstantin Wecker, Xavier Naidoo, noch vielen anderen meiner Lieblingsliedermacher und als sehr große Überraschung meine alte Capy, drücke sie mir ganz fest ans Gesicht und riche dran. Frisch gewaschen! 😉

Lauter schöne Dinge, die ich bekommen habe
(zum Vergrößern Bild anklicken)

Vulkan Mount Eden

Heute will ich es etwas ruhiger angehen lassen, da es mein letzter Tag in Auckland vorerst ist. Morgen geht es mit dem Bus in das 3 Stunden entfernte Whangarei, wo ich meinen ersten Farmaufenthalt bei Jason und Anne haben werde. Nach einem Blick in meinen Reiseführer beschließe ich mir heute den erloschenen Vulkan Mount Eden anzusehen, der auch gleichzeigtig Aucklands größter Vulkan ist. Ich habe einen eindrucksvollen Bilck auf die Skyline, wenn auch der Himmel etwas mit Woken verhangen ist.

Skyline Auckland von Mount Eden aus

Und während des Rückweges kommen mir alte Schlager in Gedanken und ich summe sie vor mich hin „17 Jahr blondes Haar“ von Udo Jürgens, „Aber Dich gibt’s nur einmal für mich“ von den Flippers und von meinem Lieblings Alt 68er „Heute hier, morgen dort“

Rückweg von Mount Eden

Mr Kie [B] ling in Auckland

langsam aber sicher reaslisiere ich, dass ich wirklich hier bin. Heute steht die Eröffnung eines Kontos auf dem Plan, den wenn ich vielleicht doch irgendwann hier in Neuseeland Geld verdiene, so brauche ich ein Konto, wo dies hinüberwiesen werden kann. Zudem kommt es mich auch günstiger, mit der Karte Geld zu ziehen. Bei einem Spaziergang durch Auckland schau ich mir die Banken von außen an und entscheide mich für die „Bank of New Zealand“ (da gefällt mir die Corporate Identity am Besten, einen anderen Anhaltspunkt habe ich leider nicht). Ich werde zu einer freundlichen Frau geführt, die mich gleich nach meinem Reise- und Personalausweis fragt. Sie sagt „Hello Mr Kiebling“. Ich wieder spreche Ihr, dass ich Kiessling heiße. Aber im Pass würde es doch so stehen und sie müßte es auch mit einem B in den PC eingeben. Ich versuche ihr klar zu machen, das es kein B ist, sondern ein Art von S – „This letter is called a strict S or also an sz“ Am Ende kann ich sie überzeugen und zahle 200Dollar auf mein Konto ein. Meine Karte bekomme ich in 5 Tagen an mein Postfach gesendet.
Da der Tag noch jung ist setzte ich mich in den Bus und fahre damit durch die Gegend. Am Auckland Museum steige ich aus und sehe es mir an. Rießig groß und super aufgemacht das Ganze. Ein paar Kilometer weiter hat man einen herlichen Ausblick auf die Skyline von Auckland:

Ausblick auf Aucklands Skyline

Angekommen?!

Jeder kennt das Gefühl vor Abreise etwas Wichtiges vergessen zu haben. Ich hatte dieses Gefühl auch und dachte schon nach, was es denn sein könnte. Ich sitze also in Singapur am Abflugschalter und fülle das Einreiseformular für Neuseeland aus. Auf einmal fällt es mir wie aus heiterem Himmel ein! Ich habe keine aktuellen Kontoauszüge ausgedruckt, was Einreisebestimmung ist. Während des ganzen Flugs geht mir dies durch den Kopf.

Anflug auf Neuseeland

In der Ankunftshalle erwische ich gerade eine Beamtin, die aussieht, als hätte sie schlechte Laune. Sie fragt mich, was ich den in Neuseeland machen will, ich erkläre wahrheitsgemäss „Ich will Äpfel pflügen und wwoofen“, sie lacht und läßt mich ohne Kontoauszug passieren. Der Bus fährt mich direkt bis zur Jugendherberge, die eher einem Kontainer ähnelt (ich bin noch zu verwöhnt von Singapur wie es scheint).

auf dem Skytower in Auckland

Alles geschieht wie im Traum, da mich der Flug doch mitgenommen hat und mir die Zeitverschiebung zu schaffen macht.
Ich funktioniere einfach. Hatte mir vorgenommen, gleich am ersten Tag ein Postfach zu eröffnen und mache mich auf den Weg. Da es schon kurz vor 18Uhr ist, haben es die beiden jungen, hübschen Neuseeländerinnen eilig, aber ich habe immer wieder neue Fragen und trete gleich dem wwoofing Verband und dem Backpackers Verband bei, da ich dies ohnehin vorhatte. Außer der Karte mit der Adresse für mein Postfach, bekomme ich auch ein Formular womit ich auch gleich meine Steuernummer beantragen kann. Als ich das Gebäude verlassen will, stehe ich vor einem großen schweren Gitter – abgeschlossen. Die zwei Mädels haben auch keinen Schlüssel, eine Wach- und Schließgesellschaft ist dafür zuständig. Ich frage die Mädels, ob wir den jetzt die Nacht zu Dritt hier verbringen müssen.

Meine gesammelten Unterlagen, die ich brauche