Schnee und deutsche Bäcker

Während meiner Fahrt von Wellington durch die Hügel der neuseeländischen Nordinsel, fängt es an zu schneien. Zwischendurch mache ich immer wieder Pause, da es doch ein weiter Weg bis an die Ostküste nach Napier ist. Vor 7 Monaten war ich bereits hier und es gefiel mir so gut, dass ich noch einmal wiederkommen wollte. Auch das gleiche Hostel suche ich mir wieder aus, um vier Tage in der Art Déco Stadt zu verleben.

StablesLodgeBett

Immer noch sind die Temperaturen um den Gefrierpunkt und als ich morgens aus der Unterkunft gehe, beschlägt mein Atem. Es ist ruhig geworden in Napier, viele Geschäfte machen Winterpause und man bekommt überall einen Stitzplatz.
Von einem deutschen Bäcker, der sich hier in Napier niedergelessen hat, hole ich mir ein frisches Sonnenblumenkernbrot. Ich laufe zum Strand, setze mich auf ein großes Stück Treibholz, packe das noch warme Brot aus und breche mir einfach ein Stück ab. Hmm, ist das lecker, schön knusprig und nicht so weich. Ich blinzle zur Sonne hinauf und genieße noch einen Bissen.

BrotStrand

Mit meiner Ema will ich zu Don Stuarts Werkstatt, der mir das letzte Mal schon weiterhalf, als ich hier war. Doch als ich dort ankomme, ist das Gebäude abgerissen und auch unter der Telefonnummer, ist niemand mehr zu erreichen. So schnell können Dinge sich ändern. Ob er wohl in Ruhestand gegangen ist, frage ich mich. Das Alter hätte er gehabt.
Abends sitz ich zusammen mit anderen Gästen gemütlich im Gemeinschaftsraum. Als ich meine E-Mails checke, bekomme ich Gesellschaft von George, dem 10 Wochen alten Kater.

GeorgaufPC

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Verhaftet!?

Ich bin auf dem Weg hinunter zum Hafen. Es nieselt leicht und der Himmel ist wolkenverhangen. Nacheinander fahren vier Polizeiautos ziemlich schnell an mir vorbei. Wo die wohl hinwollen? Keine hundert Meter weiter drehen sie auf einmal um, fahren in meine Richtung und halten kurz vor mir an. Gleich daneben ist ein großes Einkaufszuntrum, ob es sich wohl um einen Diebstahl handelt? Aber warum dann gleich soviel Polizisten, da würden es drei auch tun. Es sieht eher nach einer Geiselnahme aus. Doch nein! Was ist das, die kommen auf mich zu. Ich kann nicht mehr klar denken, was soll ich den gemacht haben? „Stehenbleiben“ spricht mich ein Polizist an. „Wie heisst du, wo wohnst du und führst du einen Paß mit dir?“. Ich sage ihm meinen Namen, gebe ihm meinen Personalausweis und frage warum er den diese Informationen von mir wolle. „So ein Typ hat Fotos von der Amerikanischen Botschaft gemacht“. „Ja, dass war ich“, antworte ich ihm wahrheitsgemäß. Er bekommt große Augen und hört auf Notizen auf seinen Block zu kritzeln. Seine Kollegen kommen auf mich zu gelaufen. Ob ich mich jetzt gleich umdrehen muss und bekomme dann Handschellen angelegt? Eine Polizistin fragt mich „Du hast also ein Bild von der Deutschen Botschaft geknipst?“ „Von der Deutschen und der Amerikanischen“, entgegene ich. „Was, die Amerikanische Botschaft hast du auch noch fotografiert“, schaut sie mich verdutzt an. „Ist es verboten die Botschaften zu fotografieren? Welche der beiden Botschaften hat euch den geschickt“, will ich von ihr wissen. „11. September und so, du weist schon“, weicht sie mir aus. Ich bekomme von den umstehenden Kollegen viele Fragen gestellt und schließlich will einer zum Schluß noch die Tatobjekte auf meiner Kamera sehen:

DeutscheBotschaft

Das Bild von der Amerikanischen Botschaft will ich an dieser Stelle nicht zeigen, sonst ende ich womöglich noch auf Guantanamo Bay.
Während ich im Cafe sitze und einen Flat White Kaffee trinke, geht mir durch den Kopf, wer wohl die neuseeländische Polizei verständigt haben mag? Die Deutschen oder die Amerikaner? Ich tippe auf beide.

Überschwemmung

Zum vierten Mal bin ich nun im Freyberg Schimmbad, da man von hier einen schönen Blick auf Wellingtons Oriental Bay hat und es trotzdem nie zu voll gestopft ist. Nachdem ich meine Bahnen gezogen habe, gehe ich in die Sauna und setze mich anschließend in den heißen Whirlpool um durch die große Glasfront hinaus auf den Strand und das Meer zu blicken.

OrientalBay

Schon die letzten Male ist mir ein Schiff aufgefallen, welches gleich neben dem Schimmbad vor Anker liegt und ein Restaurant beheimatet. Zu teuer, dachte ich bisher immer, doch diesmal will ich zumindest auf einen Kaffee reingehen und dabei noch etwas im fantastischen Buch Noughts and Crosses schmöckern. In der Ecke steht ein rießiges Meerwasseraquarium, außer mir sind sonst keine anderen Gäste da. Nach einige Minuten kommt immer noch keine Bedienung und ich packe mein Buch aus. Irgendwann wird schon jemand kommen, denk ich mir. Auf einmal höre ich Wasser plätschern. Zuerst ganz leise und dann wird es lauter. Ich drehe mich um und sehe wie das Aquarium überläuft. Was mache ich jetzt. Erstmal nichts. Zwei Sekunden später denke ich mir, das kann nicht normal sein und appelliere an meine Zivilcourage Hilfe zu holen. So laufe ich Richtung Bug des Schiffes, weil ich dort Angestellte vermute. Das Schiff ist größer als ich dachte, nach ein paar Metern fange ich zu joggen an. Endlich sehe ich drei Gestalten auf Barhockern sitzen, die eher noch Gästen aussehen und frage ob sie wissen wo die Bedienung steckt, da im Speisaal das Aquarium am Überlaufen ist. Noch während ich spreche rennt eine der beiden Frauen los und flucht auf englisch was das Zeug hält. Während meiner Abwesentheit ist ganz schön viel Wasser zusammengekommen und ich setzte mich erstmal hin um meine Lektüre weiterzuführen. Nach einiger Zeit kommt die aufgelöste Frau zu mir, bedankt sich und bietet mir einen gratis Flat White Kaffee an, den ich nicht ablehne.
Abends bin ich mit dem Kochen in unserer Wohngemeinschaft an der Reihe. Da es eines meiner Leibgerichte ist, entscheide ich mich Caprese – Tomaten, Mozzarella und Basilikum – und Rohrnudeln mit Gorgonzolasauce zu zubereiten.

Caprese

Oft hab ich dieses für Freunde in Deutschalnd gemacht und auch meinen beiden koreanischen Mitbewohnern scheint es zu schmecken, da sie beide einen Nachschlag haben wollen. Zum Nachtisch gibts heißen Apfelstrudel mit Vanillesauce.
Um 22Uhr hole ich Sandra, die ich beim Kirschenpflücken in Renwick kennen gelernt habe, von der Fähre ab. Da zeitgleich auch ein bedeudentes Rugbyspiel im Westpacstadium stattfindet, sind die Strßen voll mit verrückten Fans und hupenden Autos. Sandra sieht richtig durchgefrohren aus und hat sich auch eine Erkältung eingefangen. Wir fahren erstmal in die WG und trinken einen Tee zusammen. Nach einer kurzen Nacht, bringe ich sie um 3Uhr morgens zum Flughafen, da für sie der Abreisetag gekommen ist. Auf der Rückfahrt zur WG sind meine Gedanken bei euch allen in Deutschland, da ich sonst zu dieser Tageszeit nicht wach bin, wenn es bei euch später Nachmittag ist. Was werdet ihr alle gerade machen, denke ich mir. Zurück in meinem kalten Zimmer, wickle ich mich in meine zwei warmen Bettdecken und schlafe noch eine Runde.

Popcornhase

Mensch ist mir schlecht! Meine Reisetabletten habe ich in Picton auf dem Stockbett liegen lassen und so muss ich mir nun die Zeit der Überfahrt von der Süd zur Nordinsel mit Seekrankheit um die Ohren schlagen. Nach einer Weile beruhigt sich das Meer, ich gehe auf Deck und sehe mir die letzten Ausläufer der Marlborough Sound an.

UeberfahrtzurNordinsel

In Wellington angekommen fahre ich mit meiner Ema von der Fähre und halte nach einem Hinweisschild auf Wadestown Ausschau, wo ich die nächste Zeit leben werde.
Mein Zimmer ist schön hell, ein großes Bett steht darin und an die Wand hänge ich wieder Karten, welche ich während meiner Reise zugesendet bekommen habe.
Schon am nächsten Tag treffe ich Irene wieder. Mit ihr und Fabian war ich eine Woche rund um Tasmanien gefahren und diese Zeit ist mir stehts als die schönste in Australien in Erinnerung.
Irene reisst mit Roman, der ebenfalls aus der Schweiz stammt und dem Pariser Erik, durch Neuseeland und machen nun zwei Tage Zwischenstopp hier. Ich führe sie zum neuseeländischen Parlament und wir fahren danach mit dem Cable Car zum Botonischen Garten, hoch über den Dächern Wellingtons.

BesuchIreneRoman

Abends laden mich die drei zum gemeinsamen Abendessen in ihr Hostel ein, ich bringe einen Rotwein mit und wir lassen es uns schmecken. So schön ist es Irene nochmal getroffen zu haben und auch Roman ist ein ganz lieber Kerl. Er ist schon seit einigen Monaten in Neuseeland, hatte im Bootsbau gearbeitet, aber mit dem Unternehmen Pech gehabt. Die beiden fragen mich, ob ich mit auf die Fitjis kommen will, ich fühle mich sehr geehrt. Der Abschied fällt nicht leicht, doch wollen wir uns in der Heimat wieder sehen.
Am nächsten Tag ist es regnerisch, stürmisch und furchtbar kalt, was sich auch nicht in den nächsten fünf Tagen ändern wird. Ich kaufe mir Handschuhe und genieße wenn meine Heizung im Auto läuft, da es in der WG keine gibt.
Mit Kate von der Anwaltsfamilie, bei denen ich das letzte Mal wohnte, als ich in Wellington war, treffe ich mich zum Brunch. Sie erzählt, das es ihrer Mutter besser geht und Jo immer noch bei ihr ist. Kate schreibt zur Zeit an einer Novelle und fragt mich, ob mir ein paar Karaktere einfallen würden. Da kann ich ihr behilflich sein.
Ben, der mich in Christchurch besuchen kam und zwei Nächte bei mir und Lynda wohnte, läd mich zu sich ins 100km entfernte Levin ein, um ihn in seinem ökologischen Apfelsaftbetrieb zu besuchen, wo er arbeitet. Er kocht ein köstliches Mittagessen und ich genieße mit ihm zu diskutieren. Bevor ich wieder abfahre gibt er mir noch eine Kiste mit Säften in verschiedenen Geschmacksrichtungen mit.
Am nächsten Morgen habe ich ein Vorstellungsgespräch bei Candle ICT, einer Art Zeitarbeitsfirma für die IT Branche. Das ganze läuft sehr locker ab und nach einer halben Stunde ist es auch schon wieder rum.
Zurück in der WG warten Rosemaria und Ilmin, meine zwei Mitbewohner auf mich und fragen wie mein Gespräch lief. Sie kommen beide aus Korea, leben aber schon lange in Neuseeland. Sie haben zusammen einen Hasen, der in einer ausgedienten Kino Popcornmaschiene lebt und auf dem Namen Cooke hört.

Popcornhase

Herbstgefühl

Schön wieder hier zu sein. Ich stehe in der Warteschlange vor der Passabfertigung. Diesmal weiss ich schon bescheid wie alles abläuft. Die freundliche Beamtin stempelt meinen Reisepass. Am Ausgang wartet Katja auf mich, wir kennen uns bereits seit über einem Jahr, haben uns aber noch nie gesehen. Bisher hielten wir Kontakt über Internet und SMS. Schon als ich das Flughafengebäude verlasse, fällt mir die kalte Temperatur auf. Katja brachte eine Freudin zum Flughafen, hat die Zeit noch gewartet bis ich landete und nun freuen wir uns, dass wir uns endlich einmal sehen. Trish und Wendy biegen um die Ecke, als ich mich gerade von Katja verabschiede. Ich sprudle gleich los wie ein Wasserfall und erzähle den Beiden über meinen Eindrücken von Australien. An ihrem Haus angekommen sehe ich auch schon meine Ema stehen. In meinem Zimmer wartet das zurückgelassenes Gebäck auf mich. Wir setzen uns zusammen und trinken erstmal in aller Ruhe einen warmen Tee.
Es ist Herbst geworden in Neuseeland. Die Bäume verliehren ihre Blätter und es riecht nach Laub. Wir fahren an den Strand, kein Mensch außer uns ist dort und machen einen Spaziergang. Der Wind weht um die Ohren. Auf einem angeschwemmten Baum setze ich mich nieder und sehe hinaus aufs Meer.

StrandHerbst

Mir kommt es vor, als stände Weihnachten kurz vor der Tür, genau dieses Gefühl habe ich bei diesem Wetter. Wenn es so früh dunkel wird, es nass und kalt draußen wird. Doch wir haben Mai, mitten im Jahr. Vielleicht wird es doch Zeit, bald wieder heim zu gehen.
Auch in der Innenstadt hat sich sovieles verändert in nur sechs Wochen. Die Menschenmassen sind vom Cathedral Square verschwunden, die Bäume stehen kahl da und das Laub weht über den großen Platz, welchen ich immer so geliebt habe.
Mit Katja treffe ich mich auf einen Kaffee und wir gehen gemeinsam auf das Latin American Film Festival und sehen uns Inheritance an, in den wir uns beide als Reisende gut hineinversetzen können.
Wendy und Trish helfe ich am nächsten Abend ihre alte Sitzecke mit einem Anhänger zu einer Bekannten zu schaffen und zum Dank läd uns diese anschließend in die Pizzaria ein.
Die Tage vergehen wie im Fluge, wir gehen Minigolf spilen, treffen uns mit den alten Arbeitskollegen von NZCare zum abendessen und schauen uns von einem hohen Aussichtspunkt Christchurch bei Nacht an. Doch langsam wird es Zeit die Fähre auf die Nordinsel zu buchen und mich nach einer Unterkunft für acht Wochen in Wellington umzusehen. Trish und Wendy will ich zum Abschied noch etwas schönes schenken, weil sie mich so gut umsorgt und aufgenommen haben. Zur Erinnerung an unsere gemeinsame Zeit lasse ich eines meiner Bilder entwickeln und suche dazu einen passenden Holzrahmen im Geschäft aus.

AbschiedWendyTrish

Doubt

Langsam füllen sich die Ränge. Ich sitze im Opernhaus von Sydney und in wenigen Minuten beginnt die Aufführung von „Gathering“. Ein Schmunzeln huscht mir übers Gesicht. Nachmittags sah ich mir noch das Gelände an, wo im Jahre 2000 die Olympischen Spiele ausgetragen wurden und ging im Olympiahallenbad schwimmen.

Sydney2000

Vor zehn Minuten sassen wir noch im Taxi, Irene wartete schon vor der hell beleuchteten Oper auf uns. Doch nun geht die Saalbeleuchtung aus und die Töne eines Didgeridoo erklingen. Welch ein Gefühl im vollbestzen Opernhaus zu sein und die Stimmung einfach auf sich wirken zu lassen. In der Aufführungspause lassen wir unsere Blicke über die beleuchtete Harbour Bridge schweifen.

HarbourBrueckebeiNacht

Schon um 6Uhr am nächsten Morgen heisst es Abschied von Irene und all den anderen Freunden zu nehmen, da mein Zug keine 30 Minuten später abfährt. Etwas tut es schon weh Sydney zu verlassen, gefiel es mir doch so gut hier, das zweite Mal noch besser. Seit vielen Wochen bin ich das erste Mal wieder alleine unterwegs und der Zug bringt mich nach Canberra, der Hauptstadt Australiens. Ich sehe mir das Nationalmusuem und das Parlament an.

CenberraParlament

Alles wirkt etwas steril, neu und sehr weitläufig. Canberra hat mehr von Bonn als von Berlin. Schon nach 2 Tagen habe ich genug und entscheide mich die restliche Zeit, welche mir noch bleibt, in Melbourne zu verbringen. Die erste Teilstrecke fahre ich mit dem Bus, die zweite mit der Bahn.
Schön wieder in Melbourne zu sein. Diesmal kenne ich mich schon etwas mehr aus und suche mir gezielt ein Hostel, welches nicht weit von Schwimmbad, Aldi und Internetcafe entfernt liegt, alles was man eben braucht. Nach dem Besuch der Oper in Sydney habe ich Lust auf mehr und gehe die Aufführungen der Theater in Melbourne durch. Einige sprechen mich an, meine Entscheidung fällt schließlich auf „Doubt“. Das Stück hat ein tiefgehendes Thema und regt zum Nachdenken an.

MelbournebeiNacht

In einer Seitenstrasse treffe ich wieder auf Jey, ein Koreaner der auch in der YHA Canberra war wie ich. Wir gehen zusammen ein Bier trinken und eine Kleinigkeit essen.
Melbournes Flair, weswegen es als eine der am lebenswertesten Städte der Welt bekannt ist, blieb mir bei meinem ersten Besuch noch verborgen. Da hatte ich damit zu tun alle touristischen Sehenswürdigkeiten abzuhacken. Diesmal habe ich – und lasse mir auch mehr Zeit. Ich schlendere durch die engen Gassen und stosse auf kleine Cafes die einfach dazu einladen zu verweilen. Ich packe mein Buch „Life of Pi“ aus und lebe einfach so in den Tag hinein.

MelbourneCafe

Schweizer Franken

Wie ein Traum kommt mir die Zeit auf Tasmanien vor, es zieht an meinem inneren Auge vorbei wie ein schöner Film. Alles beginnt damit, dass ich Sanyo aus London auf dem Weg zur Fähre in der Strassenbahn treffe. Wir atmen auf, da wir nun wissen, beide die richtige Tram genommen zu haben. Im Hafen angekommen stellen wir uns an einer langen Schlange von Menschen an, um auf das Schiff zu kommen. Hier wird man genau so kontrolliert, als würde man ins Flugzeug steigen wollen. Sanyo spricht ein Pärchen an, welches direkt neben uns wartet. Irene und Fabian kommen aus der Schweiz, sind miteinander befreundet, beide super nett, und wollen genau wie wir nach Tasmanien. Später auf dem Schiff treffen wir die beiden wieder und setzen uns zusammen an einen Tisch. Wir amüsieren uns köstlich, die Chemie stimmt und wir gehen zusammen im Schiffsrestaurant eine Kleinigkeit essen. Fabian und Irene wollen sich ein Auto mieten um damit in fünf Tagen einmal um Tasmanien herumzufahren. Auf einmal kommt mir der Gedanke, ich könnte fragen, ob ich der kleinen Reisegemeinschaft beitreten könne. Die beiden kennen mich ja erst zwei Stunden und wenn sie ablehnen, würde ich es verstehen. Doch Irene und Fabian sind einverstanden. Da ziemlicher Wellengang herscht, ziehe ich mich auf meinen Sitz zurück, nehme eine Reisetablette und versuche einzuschlafen. Alle Stunde wache ich auf und versuche eine bessere Schlaffposition zu finden. Schlecht ist mir zumindest nicht mehr.
Morgens hat sich die See etwas beruhigt und wir gehen gemeinsam frühstücken. Nicht viel später ist Tasmanien schon in Sicht. Wir legen in Devenport an. Für Sanyo geht es mit einem Kleinflugzeug weiter in den Busch, wo er eine 10 Tageswanderung machen will. Wir anderen sind alle etwas skptisch, da Sanyo eher wie ein Künstler, nicht wie ein Abenteurer wirkt und hoffen, dass ihm nichts passiert.

TasmaniaRucksackkette

Fabian und ich gehen im Hafen zu verschiedenen Autovermietungen, lassen uns Angebote erstellen und mieten uns schließlich bei Hertz einen Hyundai – eine kleine Rennsemmel.
Zuerst fahre ich, da ich schon Übung im Linksverkehr habe, später wechseln wir uns immer wieder ab. Bei einer Tasse Kaffee besprechen wir unsere erste Tagestour. Wir wollen die Liffey Falls besuchen. Eine freundliche, ältere Frau im örtlichen Informationscenter erklärt uns den Weg. Kurz bevor wir gehen wollen, öffnet sie einen Raum und weist uns darauf hin, das im Inneren schöne Wandteppiche ausgestellt wären, der Eintritt allerdings sieben Dollar kostet. Ich sage, wir kommen später wieder.
Fabian ist als nächstes mit dem Fahren an der Reihe und bringt uns sicher zu den Liffey Falls.

TasmanienWasserfall

Schon jetzt bemerke ich wie sehr mich Tasmanien an Neuseeland erinnert, alles ist grüner als auf dem Hauptkontinent Australien und die Distanzen sind näher. Abends finden wir ein schönes Hostel in Launceston. Da Gründonnerstag ist, achten wir darauf für das Abendessen etwas Grünes im Supermarkt einzukaufen. Wir werden fündig und essen gemühtlich zusammen.
Bevor es am nächsten Morgen weiter geht, statten wir dem Cataract Gorge Reserve am Ortsrand noch einen Besuch ab. Hier würde es auch einen Sessellift geben, doch wir entscheiden uns Schusters Rappen zu nutzen.

TasmanienBruecke

Wie es am Karfreitag Brauch ist, suchen wir Mittags am Meer ein Fischrestaurant auf.
Am Lake Leak ragen Baumstümpfe aus dem Wasser und wir wundern uns, wo diese wohl herkommen mögen.
Abends kommen wir in der Hauptstadt Tasmaniens, in Habort an. Die Strassen sind wie lehrgefegt, was sich erst am nächsten Morgen ändert, als wir den bekannten Wochenmarkt besuchen. Hier gibt es Obst, Kunst und allerhand Spezialitäten. An einem Grillstand kaufe ich mir eine Bratwurst und der Verkäufer fragt mich „mit Sauerkraut?“. Gleich fällt mir sein fränkischer Dialekt auf. Er kommt aus Bayreuth und ist vor 12 Jahren nach Hobart ausgewandert. Helmbrechts kennt er freilich auch. Wir halten einen kurzen Plausch und wünschen uns anschließend fröhliche Ostern.
In Hamilton machen wir Kaffeepause und besuchen ein Reitturnier. Abends haben wir richtig Glück. Als wir im Hostel ankommen, gibt es zuerst keine freien Betten. Während wir noch diskutieren ruft ein Japner an, das er mit seiner Familie eine Autopanne hat und nicht vor morgen eintreffe. Wir rufen „Thank you“ und freuen uns wie die Schneekönige. Etwas früher als sonst stehen wir am Ostersonntag auf um miteinander joggen zu gehen. Unser Weg führt uns am Hafen entlang und nach einer warmen Dusche bereiten wir gemeinsam das Osterfrühstück vor. Wir kochen Eier und bemalen sie mit Edding. In der Schweiz gibt es den Brauch des „Eierditschen“. Wessen Ei als erstes zerbricht, wenn man die Eier aneinander gestoßen werden, verliert.
Ich muss an meinen Oster Blog Eintrag denken, der nun schon ein Jahr zurückliegt.
Gegen Mittag erreichen wir Burnie. Uns gefället es auf Anhieb. Wir machen einen Osternachmittagsspaziergang und suchen dannach unserer nächste Unterkunft, die nicht weit vom Meer entfernt liegt. Mit einer Flasche Wein sehen wir uns den Sonnenuntergang an.

SonnenuntergangTasmanien

Abends im Zimmer tauschen wir unsere Fotos aus, da es für Fabian und Irene morgen weiter nach Sydney geht. Ich habe mich noch nicht entschieden, wohin es mich zieht. Nur 50 Kilometer haben wir bis Devenport zu fahren, wo die Fähre nach Sydney ablegt. Wie schade, dass die fünf Tage auf Tasmanien vorbei sind. Wie sehr habe ich sie mit den beiden super lieben und unkomplizierten Schweizern genossen.
Am Hafenterminal will ich fragen, ob es noch ein freies Bett auf dem Schiff geben würde. Ich habe Glück und nachdem wir unsere Rennsemmel zurückgegeben haben sind wir keine 3 Stunden später schon an Bord. Das Abendessen ist im Preis inbegriffen und ich belade meinen Teller nicht nur einmal mit Lachs und Austern. Diesmal müssen wir die Nacht nicht auf einem Sitz verbringen, sondern haben in einem Schlaffsaal unsere eigene Koje mit Vorhang. Früh morgens gehe ich im Schlaffanzug auf Deck und sehe mir den Sonnenaufgang an. Es weht ein angenehm lauwarmer Wind. Die See liegt ganz ruhig.
Nach einer Dusche und Rundgang auf Deck treffen wir uns zum Brunch, zu dem wir uns wieder schön Zeit lassen.
Ich war ja bereits schon in Sydney, doch mit dem Schiff dort anzukommen, das Opernhaus und die Harbour Bright beim Einlaufen zu sehen, hat noch einmal ganz andere Qualität.

BacktoSydney