Popcornhase

Mensch ist mir schlecht! Meine Reisetabletten habe ich in Picton auf dem Stockbett liegen lassen und so muss ich mir nun die Zeit der Überfahrt von der Süd zur Nordinsel mit Seekrankheit um die Ohren schlagen. Nach einer Weile beruhigt sich das Meer, ich gehe auf Deck und sehe mir die letzten Ausläufer der Marlborough Sound an.

UeberfahrtzurNordinsel

In Wellington angekommen fahre ich mit meiner Ema von der Fähre und halte nach einem Hinweisschild auf Wadestown Ausschau, wo ich die nächste Zeit leben werde.
Mein Zimmer ist schön hell, ein großes Bett steht darin und an die Wand hänge ich wieder Karten, welche ich während meiner Reise zugesendet bekommen habe.
Schon am nächsten Tag treffe ich Irene wieder. Mit ihr und Fabian war ich eine Woche rund um Tasmanien gefahren und diese Zeit ist mir stehts als die schönste in Australien in Erinnerung.
Irene reisst mit Roman, der ebenfalls aus der Schweiz stammt und dem Pariser Erik, durch Neuseeland und machen nun zwei Tage Zwischenstopp hier. Ich führe sie zum neuseeländischen Parlament und wir fahren danach mit dem Cable Car zum Botonischen Garten, hoch über den Dächern Wellingtons.

BesuchIreneRoman

Abends laden mich die drei zum gemeinsamen Abendessen in ihr Hostel ein, ich bringe einen Rotwein mit und wir lassen es uns schmecken. So schön ist es Irene nochmal getroffen zu haben und auch Roman ist ein ganz lieber Kerl. Er ist schon seit einigen Monaten in Neuseeland, hatte im Bootsbau gearbeitet, aber mit dem Unternehmen Pech gehabt. Die beiden fragen mich, ob ich mit auf die Fitjis kommen will, ich fühle mich sehr geehrt. Der Abschied fällt nicht leicht, doch wollen wir uns in der Heimat wieder sehen.
Am nächsten Tag ist es regnerisch, stürmisch und furchtbar kalt, was sich auch nicht in den nächsten fünf Tagen ändern wird. Ich kaufe mir Handschuhe und genieße wenn meine Heizung im Auto läuft, da es in der WG keine gibt.
Mit Kate von der Anwaltsfamilie, bei denen ich das letzte Mal wohnte, als ich in Wellington war, treffe ich mich zum Brunch. Sie erzählt, das es ihrer Mutter besser geht und Jo immer noch bei ihr ist. Kate schreibt zur Zeit an einer Novelle und fragt mich, ob mir ein paar Karaktere einfallen würden. Da kann ich ihr behilflich sein.
Ben, der mich in Christchurch besuchen kam und zwei Nächte bei mir und Lynda wohnte, läd mich zu sich ins 100km entfernte Levin ein, um ihn in seinem ökologischen Apfelsaftbetrieb zu besuchen, wo er arbeitet. Er kocht ein köstliches Mittagessen und ich genieße mit ihm zu diskutieren. Bevor ich wieder abfahre gibt er mir noch eine Kiste mit Säften in verschiedenen Geschmacksrichtungen mit.
Am nächsten Morgen habe ich ein Vorstellungsgespräch bei Candle ICT, einer Art Zeitarbeitsfirma für die IT Branche. Das ganze läuft sehr locker ab und nach einer halben Stunde ist es auch schon wieder rum.
Zurück in der WG warten Rosemaria und Ilmin, meine zwei Mitbewohner auf mich und fragen wie mein Gespräch lief. Sie kommen beide aus Korea, leben aber schon lange in Neuseeland. Sie haben zusammen einen Hasen, der in einer ausgedienten Kino Popcornmaschiene lebt und auf dem Namen Cooke hört.

Popcornhase

Herbstgefühl

Schön wieder hier zu sein. Ich stehe in der Warteschlange vor der Passabfertigung. Diesmal weiss ich schon bescheid wie alles abläuft. Die freundliche Beamtin stempelt meinen Reisepass. Am Ausgang wartet Katja auf mich, wir kennen uns bereits seit über einem Jahr, haben uns aber noch nie gesehen. Bisher hielten wir Kontakt über Internet und SMS. Schon als ich das Flughafengebäude verlasse, fällt mir die kalte Temperatur auf. Katja brachte eine Freudin zum Flughafen, hat die Zeit noch gewartet bis ich landete und nun freuen wir uns, dass wir uns endlich einmal sehen. Trish und Wendy biegen um die Ecke, als ich mich gerade von Katja verabschiede. Ich sprudle gleich los wie ein Wasserfall und erzähle den Beiden über meinen Eindrücken von Australien. An ihrem Haus angekommen sehe ich auch schon meine Ema stehen. In meinem Zimmer wartet das zurückgelassenes Gebäck auf mich. Wir setzen uns zusammen und trinken erstmal in aller Ruhe einen warmen Tee.
Es ist Herbst geworden in Neuseeland. Die Bäume verliehren ihre Blätter und es riecht nach Laub. Wir fahren an den Strand, kein Mensch außer uns ist dort und machen einen Spaziergang. Der Wind weht um die Ohren. Auf einem angeschwemmten Baum setze ich mich nieder und sehe hinaus aufs Meer.

StrandHerbst

Mir kommt es vor, als stände Weihnachten kurz vor der Tür, genau dieses Gefühl habe ich bei diesem Wetter. Wenn es so früh dunkel wird, es nass und kalt draußen wird. Doch wir haben Mai, mitten im Jahr. Vielleicht wird es doch Zeit, bald wieder heim zu gehen.
Auch in der Innenstadt hat sich sovieles verändert in nur sechs Wochen. Die Menschenmassen sind vom Cathedral Square verschwunden, die Bäume stehen kahl da und das Laub weht über den großen Platz, welchen ich immer so geliebt habe.
Mit Katja treffe ich mich auf einen Kaffee und wir gehen gemeinsam auf das Latin American Film Festival und sehen uns Inheritance an, in den wir uns beide als Reisende gut hineinversetzen können.
Wendy und Trish helfe ich am nächsten Abend ihre alte Sitzecke mit einem Anhänger zu einer Bekannten zu schaffen und zum Dank läd uns diese anschließend in die Pizzaria ein.
Die Tage vergehen wie im Fluge, wir gehen Minigolf spilen, treffen uns mit den alten Arbeitskollegen von NZCare zum abendessen und schauen uns von einem hohen Aussichtspunkt Christchurch bei Nacht an. Doch langsam wird es Zeit die Fähre auf die Nordinsel zu buchen und mich nach einer Unterkunft für acht Wochen in Wellington umzusehen. Trish und Wendy will ich zum Abschied noch etwas schönes schenken, weil sie mich so gut umsorgt und aufgenommen haben. Zur Erinnerung an unsere gemeinsame Zeit lasse ich eines meiner Bilder entwickeln und suche dazu einen passenden Holzrahmen im Geschäft aus.

AbschiedWendyTrish

Doubt

Langsam füllen sich die Ränge. Ich sitze im Opernhaus von Sydney und in wenigen Minuten beginnt die Aufführung von „Gathering“. Ein Schmunzeln huscht mir übers Gesicht. Nachmittags sah ich mir noch das Gelände an, wo im Jahre 2000 die Olympischen Spiele ausgetragen wurden und ging im Olympiahallenbad schwimmen.

Sydney2000

Vor zehn Minuten sassen wir noch im Taxi, Irene wartete schon vor der hell beleuchteten Oper auf uns. Doch nun geht die Saalbeleuchtung aus und die Töne eines Didgeridoo erklingen. Welch ein Gefühl im vollbestzen Opernhaus zu sein und die Stimmung einfach auf sich wirken zu lassen. In der Aufführungspause lassen wir unsere Blicke über die beleuchtete Harbour Bridge schweifen.

HarbourBrueckebeiNacht

Schon um 6Uhr am nächsten Morgen heisst es Abschied von Irene und all den anderen Freunden zu nehmen, da mein Zug keine 30 Minuten später abfährt. Etwas tut es schon weh Sydney zu verlassen, gefiel es mir doch so gut hier, das zweite Mal noch besser. Seit vielen Wochen bin ich das erste Mal wieder alleine unterwegs und der Zug bringt mich nach Canberra, der Hauptstadt Australiens. Ich sehe mir das Nationalmusuem und das Parlament an.

CenberraParlament

Alles wirkt etwas steril, neu und sehr weitläufig. Canberra hat mehr von Bonn als von Berlin. Schon nach 2 Tagen habe ich genug und entscheide mich die restliche Zeit, welche mir noch bleibt, in Melbourne zu verbringen. Die erste Teilstrecke fahre ich mit dem Bus, die zweite mit der Bahn.
Schön wieder in Melbourne zu sein. Diesmal kenne ich mich schon etwas mehr aus und suche mir gezielt ein Hostel, welches nicht weit von Schwimmbad, Aldi und Internetcafe entfernt liegt, alles was man eben braucht. Nach dem Besuch der Oper in Sydney habe ich Lust auf mehr und gehe die Aufführungen der Theater in Melbourne durch. Einige sprechen mich an, meine Entscheidung fällt schließlich auf „Doubt“. Das Stück hat ein tiefgehendes Thema und regt zum Nachdenken an.

MelbournebeiNacht

In einer Seitenstrasse treffe ich wieder auf Jey, ein Koreaner der auch in der YHA Canberra war wie ich. Wir gehen zusammen ein Bier trinken und eine Kleinigkeit essen.
Melbournes Flair, weswegen es als eine der am lebenswertesten Städte der Welt bekannt ist, blieb mir bei meinem ersten Besuch noch verborgen. Da hatte ich damit zu tun alle touristischen Sehenswürdigkeiten abzuhacken. Diesmal habe ich – und lasse mir auch mehr Zeit. Ich schlendere durch die engen Gassen und stosse auf kleine Cafes die einfach dazu einladen zu verweilen. Ich packe mein Buch „Life of Pi“ aus und lebe einfach so in den Tag hinein.

MelbourneCafe

Schweizer Franken

Wie ein Traum kommt mir die Zeit auf Tasmanien vor, es zieht an meinem inneren Auge vorbei wie ein schöner Film. Alles beginnt damit, dass ich Sanyo aus London auf dem Weg zur Fähre in der Strassenbahn treffe. Wir atmen auf, da wir nun wissen, beide die richtige Tram genommen zu haben. Im Hafen angekommen stellen wir uns an einer langen Schlange von Menschen an, um auf das Schiff zu kommen. Hier wird man genau so kontrolliert, als würde man ins Flugzeug steigen wollen. Sanyo spricht ein Pärchen an, welches direkt neben uns wartet. Irene und Fabian kommen aus der Schweiz, sind miteinander befreundet, beide super nett, und wollen genau wie wir nach Tasmanien. Später auf dem Schiff treffen wir die beiden wieder und setzen uns zusammen an einen Tisch. Wir amüsieren uns köstlich, die Chemie stimmt und wir gehen zusammen im Schiffsrestaurant eine Kleinigkeit essen. Fabian und Irene wollen sich ein Auto mieten um damit in fünf Tagen einmal um Tasmanien herumzufahren. Auf einmal kommt mir der Gedanke, ich könnte fragen, ob ich der kleinen Reisegemeinschaft beitreten könne. Die beiden kennen mich ja erst zwei Stunden und wenn sie ablehnen, würde ich es verstehen. Doch Irene und Fabian sind einverstanden. Da ziemlicher Wellengang herscht, ziehe ich mich auf meinen Sitz zurück, nehme eine Reisetablette und versuche einzuschlafen. Alle Stunde wache ich auf und versuche eine bessere Schlaffposition zu finden. Schlecht ist mir zumindest nicht mehr.
Morgens hat sich die See etwas beruhigt und wir gehen gemeinsam frühstücken. Nicht viel später ist Tasmanien schon in Sicht. Wir legen in Devenport an. Für Sanyo geht es mit einem Kleinflugzeug weiter in den Busch, wo er eine 10 Tageswanderung machen will. Wir anderen sind alle etwas skptisch, da Sanyo eher wie ein Künstler, nicht wie ein Abenteurer wirkt und hoffen, dass ihm nichts passiert.

TasmaniaRucksackkette

Fabian und ich gehen im Hafen zu verschiedenen Autovermietungen, lassen uns Angebote erstellen und mieten uns schließlich bei Hertz einen Hyundai – eine kleine Rennsemmel.
Zuerst fahre ich, da ich schon Übung im Linksverkehr habe, später wechseln wir uns immer wieder ab. Bei einer Tasse Kaffee besprechen wir unsere erste Tagestour. Wir wollen die Liffey Falls besuchen. Eine freundliche, ältere Frau im örtlichen Informationscenter erklärt uns den Weg. Kurz bevor wir gehen wollen, öffnet sie einen Raum und weist uns darauf hin, das im Inneren schöne Wandteppiche ausgestellt wären, der Eintritt allerdings sieben Dollar kostet. Ich sage, wir kommen später wieder.
Fabian ist als nächstes mit dem Fahren an der Reihe und bringt uns sicher zu den Liffey Falls.

TasmanienWasserfall

Schon jetzt bemerke ich wie sehr mich Tasmanien an Neuseeland erinnert, alles ist grüner als auf dem Hauptkontinent Australien und die Distanzen sind näher. Abends finden wir ein schönes Hostel in Launceston. Da Gründonnerstag ist, achten wir darauf für das Abendessen etwas Grünes im Supermarkt einzukaufen. Wir werden fündig und essen gemühtlich zusammen.
Bevor es am nächsten Morgen weiter geht, statten wir dem Cataract Gorge Reserve am Ortsrand noch einen Besuch ab. Hier würde es auch einen Sessellift geben, doch wir entscheiden uns Schusters Rappen zu nutzen.

TasmanienBruecke

Wie es am Karfreitag Brauch ist, suchen wir Mittags am Meer ein Fischrestaurant auf.
Am Lake Leak ragen Baumstümpfe aus dem Wasser und wir wundern uns, wo diese wohl herkommen mögen.
Abends kommen wir in der Hauptstadt Tasmaniens, in Habort an. Die Strassen sind wie lehrgefegt, was sich erst am nächsten Morgen ändert, als wir den bekannten Wochenmarkt besuchen. Hier gibt es Obst, Kunst und allerhand Spezialitäten. An einem Grillstand kaufe ich mir eine Bratwurst und der Verkäufer fragt mich „mit Sauerkraut?“. Gleich fällt mir sein fränkischer Dialekt auf. Er kommt aus Bayreuth und ist vor 12 Jahren nach Hobart ausgewandert. Helmbrechts kennt er freilich auch. Wir halten einen kurzen Plausch und wünschen uns anschließend fröhliche Ostern.
In Hamilton machen wir Kaffeepause und besuchen ein Reitturnier. Abends haben wir richtig Glück. Als wir im Hostel ankommen, gibt es zuerst keine freien Betten. Während wir noch diskutieren ruft ein Japner an, das er mit seiner Familie eine Autopanne hat und nicht vor morgen eintreffe. Wir rufen „Thank you“ und freuen uns wie die Schneekönige. Etwas früher als sonst stehen wir am Ostersonntag auf um miteinander joggen zu gehen. Unser Weg führt uns am Hafen entlang und nach einer warmen Dusche bereiten wir gemeinsam das Osterfrühstück vor. Wir kochen Eier und bemalen sie mit Edding. In der Schweiz gibt es den Brauch des „Eierditschen“. Wessen Ei als erstes zerbricht, wenn man die Eier aneinander gestoßen werden, verliert.
Ich muss an meinen Oster Blog Eintrag denken, der nun schon ein Jahr zurückliegt.
Gegen Mittag erreichen wir Burnie. Uns gefället es auf Anhieb. Wir machen einen Osternachmittagsspaziergang und suchen dannach unserer nächste Unterkunft, die nicht weit vom Meer entfernt liegt. Mit einer Flasche Wein sehen wir uns den Sonnenuntergang an.

SonnenuntergangTasmanien

Abends im Zimmer tauschen wir unsere Fotos aus, da es für Fabian und Irene morgen weiter nach Sydney geht. Ich habe mich noch nicht entschieden, wohin es mich zieht. Nur 50 Kilometer haben wir bis Devenport zu fahren, wo die Fähre nach Sydney ablegt. Wie schade, dass die fünf Tage auf Tasmanien vorbei sind. Wie sehr habe ich sie mit den beiden super lieben und unkomplizierten Schweizern genossen.
Am Hafenterminal will ich fragen, ob es noch ein freies Bett auf dem Schiff geben würde. Ich habe Glück und nachdem wir unsere Rennsemmel zurückgegeben haben sind wir keine 3 Stunden später schon an Bord. Das Abendessen ist im Preis inbegriffen und ich belade meinen Teller nicht nur einmal mit Lachs und Austern. Diesmal müssen wir die Nacht nicht auf einem Sitz verbringen, sondern haben in einem Schlaffsaal unsere eigene Koje mit Vorhang. Früh morgens gehe ich im Schlaffanzug auf Deck und sehe mir den Sonnenaufgang an. Es weht ein angenehm lauwarmer Wind. Die See liegt ganz ruhig.
Nach einer Dusche und Rundgang auf Deck treffen wir uns zum Brunch, zu dem wir uns wieder schön Zeit lassen.
Ich war ja bereits schon in Sydney, doch mit dem Schiff dort anzukommen, das Opernhaus und die Harbour Bright beim Einlaufen zu sehen, hat noch einmal ganz andere Qualität.

BacktoSydney

Auf nach Tasmanien!

Fünf Tage nach Abfahrt kommen wir in Adelaide an. Die meisten Hostels sind schon belegt und so kommen wir in einer schäbigen Absteige unter. Durch ein Loch neben meinem Bett in der Wand könnte ich in die Frauendusche schauen. Im Zimmer selbst liegt soviel Mist am Boden, das man aufpassen muss, wo man hintritt. Gleich in der ersten Nacht treibt es ein Pärchen so laut in unserem Zimmer miteinander, das ich davon immer wieder aufwache. Selbst nach 3 Stunden sind sie noch nicht fertig. Ich packe meine Orapax aus. Am nächsten Tag wechsle ich die Unterkunft.
Adelaide gefällt mir auf den zweiten Blick besser, als mein Eindruck bei der Durchreise vor zwei Wochen war. Johannes, die beiden Mädels und ich erkunden gemeinsam die Stadt, besuchen eine Kirche, den botanischen Garten und gehen dann zum Central Market, wo es wie auf dem Viktualienmarkt in München, Spezialitäten zu kaufen gibt. Es gehen einen fast die Augen über und das Wasser läuft einem im Mund zusammen.

Mettwurst

Es gibt Käse, Brot, frisches Obst, Gemüse und alles was das Herz begehrt. Etwas geht mir aber die ganze Zeit durch den Kopf. Soll ich weiter mit zum Ayers Rock kommen oder nicht. Ich entscheide mich dagegen und kaufe mir erneut ein Zugticket, diesmal geht es nach Melbourne. Auch Yoon kommt mit und so laufen wir um 6Uhr zum Bahnhof und werden dabei von einem roten Morgenhimmel begleitet.

AdelaideamMOrgen

Diesmal dauert die Fahrt nur 10 und keine 60 Stunden. Immer wieder ziehen brennende Stoppelfelder an uns vorbei oder sind schon abgebrannt. Ob die extra angezündet werden? Ich weiss es nicht.
Als wir Melbourne erreichen, ist es bereits dunkel und ich gehe wieder auf die Suche nach einem neuen Hostel.

MelborunebeiNacht

Diesmal gehe ich auf Nummer sicher und wähle eine Jugendherberge aus. Diese bieten immer einen gewissen Standard, wenn auch für ein paar Dollar mehr. An diesem Abend gibt es einen Gutschein für das nahe Schwimmbad, welchen ich gleich am nächsten Morgen einlöse, um wieder ein paar Runden zu schwimmen.

SchwimmbadMelborune

Mich trifft fast der Schlag! Hier in Melborune gibt es einen Aldi! Nicht nur dass er von aussen genau wie Aldi Süd aussieht, auch die Produkte befinden sich an fast genau den gleichen Stellen. Und billig ist es. Im Vergleich kosten manche Produkte das Halbe. 25 Paracetamol Kopfschmerztabeltten für 80Cent, die sonst im Supermarkt 1,80Dollar kosten, von Deutschland ganz zu schweigen. Ausser Bier und Gummibärchen entdecke ich keine anderen deutschen Lebensmittel.

Im Internet vergleich ich verschiedene Angebote, da ich die restliche Zeit auf Tasmanien verbringen will. Fliegen wäre zwar ein paar Dollar günstiger, doch ich entscheide mich für die romantischere Alternative, nämlich das Schiff. Abends um 20Uhr wird es den Hafen in Melbourne verlassen und zehn Stunden später auf Tasmanien ankommen.

Die Gefährten

Nach vielen vergeblichen Versuchen eine geeignete Mitfahrgelegenheit wieder gehn Westen zu finden, stoße ich auf Johannes. Sein Angebot hört sich gut an: In sechs Tagen den Süd Westen Australiens zu durchqueren und die Nullarbor Plain, welche ich schon von der Zugfahrt kenne, um nach Adelaid zu kommen. Zwei andere Fahrgäste haben bereits zugesagt, Joon ein Mädel aus Korea und Christiene aus der Nähe von Wien. Ich beschließe dem Bunde beizutreten und schon am nächsten Morgen brechen wir gemeinsan auf.

ForNext150km

In Johannes vollbeladenen Karavan erzählt jeder erstmal von sich und man merkt gleich, dass das Klima stimmt. Außer einer kurzen Mitagspause, in der wir für das gemeinsame Abendessen einkaufen, fahren wir ohne größere Unterbrechung bis Margaret River, wo wir uns eine Süßigkeitenwerkstatt ansehen und einen Campingplatz für die Nacht suchen. Johannes hat ein großes Zelt, in dem bis zu sechs Personen Platz finden würden. Mit nur vier ist es umso komfortabler. Auf dem Gaskocher braten wir Schaschlik aus Geflügelbrust und dazu gibt es Reis und Kimchi – eingelegten, koreanischen Chinakohl.
Die Nacht vergeht wie im Fluge, ich schlafe durch und dank der bequemen Iso-Luftmatratzen liegen wir alle sehr konfortabel.
Nur 2 Kilometer weiter befindet sich eine Tropfsteinhöhle, welche wir besuchen, nachdem das Zelt wieder abgebaut und verstaut ist. Da wir nur eine kleine Gruppe sind, die heute der Führung beiwohnt, haben wir genug Zeit um in aller Ruhe den Tropfen zu lauschen, wenn sie auf den unterirdischen See auftreffen.

Tropfsteinhoele

Nahe dem kleinen Ort Augusta, wo der Southern Ocean und Indian Ocean zusammenstoßen, besuchen wir den hohen, weißen Leuchtturm und zelten in Albany auf dem dortigen Campingplatz.
Im Cape Le Grand National Park, nahe Esperance kocht Joon abends für uns alle koreanisch. Als Vorspeise gibt es eine Suppe und als Hauptgang gebratenes Rindfleisch mit Gemüse und Reis. Wir sind alle begeistert und stoßen mit einem guten Glas Rotwein auf unsere kleine Gemeinschaft an.
Als wir am naechsten Tag aus dem Zelt schauen, hüpfen zwei junge Kängurus am Strand entlang.

KaenguruStrand

Gegen Mittag erreichen wir den Anfang der Nullarbor Plain. Weniger Bäume ziehen an uns vorbei, das Land wird flacher und dreht man den Kopf, erblickt man überall den Horizont. Immer wieder begennet uns Road Trains, LKWs mit bis zu drei Anhängern.
Abends finden wir keinen geeigneten Campingplatz und beschließen das Zelt neben einem Parkplatz aufzubauen. Da es windstill ist ziehen wir nachts die Zeltplane nicht über, um direkt durch das Fliegennetz auf den wunderschönen Sternenhimmel blicken zu können. Meine Nasenspitze ist kalt. Um 3 Uhr morgens beginnt es zu niesseln und wir holen die Zeltplane aus dem Wagen.
Als wir morgens erwachen ist wieder alles trocken und wir bewundern den schönen Sonnenaufgang.

NullarborPlainSonnenaufgang

Auf nach Amerika!

Veröffentlichkeitsdatum beachten! 😉

Das Klima in Perth ist zur Zeit einfach grossartig – nicht zu warm und nicht zu kalt. Gleich am ersten Tag mache ich bei einer Stadtführung mit, die zudem noch informativ und kostenlos ist.

PerthHochhaus

Mittags gehe ich, wie auch schon manchmal in Christchruch, bei Hare krishna essen. Die Speisen sind vegetarisch, aber gut und günstig. Vor dem Eingang treffe ich drei Frauen, die mich fragen wie lange ich denn schon in Australien sei. Sie dachten ich wäre wie sie Neuseeländer, da ich ja meine schwarze Cap von NZCare mit der Aufschrift New Zealand trage. Überhaupt werde ich oft auf meine Cap angesprochen hier in Australien und habe so immer etwas zu erzählen.
Am nächsten Tag gehe ich in verschiedene Hostels um mir die Anschlagtafeln anzusehen. Ich bin auf der Suche nach einer Mitfahrgelegenheit gehn Osten. Einige rufe ich auch an, doch klappte bisher nichts. So beschließe ich mit der Bahn nach Fremantle zu fahren, das ein Vorort von Perth ist. In Fremantle ist die Hauptstrasse gesperrt da heute ein Strassenrennen stattfindet. Die Läufter sind echt super schnell und manche laufen dazu noch barfuss.
An einer Strassenecke steht ein Grill wo ich mir eine Wurst kaufe. Überhaupt scheinen die Australier ihr Barbecue zu lieben, auch als ich in Sydney schwimmen war, wurde dort gegrillt und der Duft zog durch die Schwimmhalle.
In der Fussgängerzone ruhe ich mich etwas aus und lausche der Musik einer Strassenmusikerin.

PerthMusik

Nicht weit entfernt ist auch der Hafen und der Strand von Fremantle. Ich laufe an der Uferpromenade entlang und kaufe mir in der Brauereiwirtschaft „Little Creatures“ ein kleines Glas Bier.

PerthStrand

Als ich so am Strand entlanglaufe fällt mir plötzlich ein, was ich machen will wenn die Zeit hier in Australien vorbei ist. Ich fasse den Entschluss weiter nach Amerika zu reisen. Da ich noch keinerlei Informationen darüber habe, wie dort die Einreisebestimmungen sind, gehe ich gleich ins nächste Internetcafe. Man benötigt ebenfalls ein Visum, welches über drei Monate gilt. Zurück in Perth gehe ich in ein Reisebüro und buche den Flug. Das Visum wird online beantragt und bedarf keines Eintrags im Pass mehr. So werde ich Australien am 1. Mai verlassen und gleich im Anschluss nach New York weiterfliegen. Da ich die Datumsgrenze überschreite, komme ich dort am 30. April an.
Mit einem guten Gefühl im Bauch mache ich mich auf zu einem Spaziergang zum Ayers Rock, welcher in der Sprache der Aborigines Uluru heißt.
Auf meinem Weg dorthin lerne ich Ahmedi kennen. Er kommt aus dem Iran und arbeitet dort als Kernphysiker. Da mich seine Arbeit sehr interessiert frage ich genauer nach und erfahre, dass er mit Dihydrogenmonooxid arbeitet. Es ist ein nicht ungefährlicher Stoff, da Dihydrogenmonooxid schwere Verbrennungen hervorrufen kann, wenn es gasförmig ist. Zudem ist es noch ein Hauptbestandteil des sauren Regens und wenn man zuviel davon einatmet kann man sterben. Die Amerikaner würden es gerne als Massenvernichtungsmittel einstufen, so wie mir scheint, da wirklich mehrere Menschen jährlich durch Dihydrogenmonooxid ums Leben kommen.
Zufällig gibt es auf dem Ayers Rock auch eine Würstchenbude, wo wir unseren Hunger und Durst stillen können.
Nachdem wir einmal um den Uluru gelaufen sind, bitte ich Ahmedi noch ein Bild von mir zu machen.

AyresRockBBQ

Indian Pacific

Es ist noch genug Zeit vor der Abfahrt. So lasse ich all mein Gepäck im Hostel zurück und statte der Victoria Street nochmals einen Besuch ab. Hier gibt es viele Cafes und Bars, die Leute sitzen mit kleinen Hockern auf dem Gehsteig und das sie die Zeit genießen spürt man förmlich.

SydneyFruehstueck

Um 12Uhr mache ich mich auf den Weg zum Bahnhof. Meine Essenstasche ist um einiges schwerer als ich dachte. Dabei machen vorallem die Getränke für drei Tage das meiste aus. Zwischendurch setze ich immer wieder ab und freue mich, als das Bahnhofsgebäude in Nähe kommt. Der Indian Pacific, mit welchen ich in den kommenden drei Tagen reisen werde, ist schon da. Gleich hinter der Lock nehme ich im ersten Wagen Platz. Es ist genug Beinfreiheit, nicht so eng wie um Flugzeug. Hier lässt es sich gut aushalten.

IndianPacificFrontal

Nicht viel später erscheint mein Sitzgenosse für die nächsten 24Stunden. Er kommt aus Deutschland, ist KFZ Meister und heißt Uwe. Vor einigen Wochen ist ihm ein indischer Guru erschienen, den er kurz darauf in Indien besucht hat. Jetzt will sich Uwe zum Heiler ausbilden lassen und klärt mich einige Stunden über seine Sicht der Welt auf. Dadurch vergeht die Zeit wie im Fluge. Einiges was er sagt erscheint mir sogar als logisch. Er erklärt wie schlecht Light Produkte für den gesunden menschlichen Körper sind. Durch den süßen Geschmack wird Insolin produziert, da aber kein echter Zucker da ist, bekommt der Körper mit der Zeit ein Problem. Alle sieben Minuten legt Uwe sich selbst die Hände auf, um sich Energie zuzuführen. Danach läßt er mich seine Handfläche spüren, sie ist wirklich etwas wärmer.
Bald wird es dunkel draußen und wir richten uns vier Size im Wagon so ein, das diese als Nachtlager dienen können. Als Füllmaterial nutzen wir unsere großen Rücksäcke. Immer wieder wache ich über Nacht auf und drehe mich, um eine bessere Position zu finden.
Um 6Uhr stehe ich vor allen anderen auf, da um diese Zeit die Dusche noch nicht so frequentiert ist. Es geht besser von der Hand im Zug zu duschen, als ich vermutete. Auch beim Rasieren schneide ich mich nicht, wenn der Zug ruckelt. Überhaupt ist es eine angenehme Fahrt, die Schienen sind endlos verschweist und durch die nicht all zu schnelle Geschwindigkeit, gleitet der Indian Pacific dahin.
In Broken Hill hält der Zug das erste Mal seit der Abfahrt an und ich kann mir die Beine an der frischen Luft verdreten. Die Sonne geht gerade auf.

IndianPacificMorning

Eine alte Damen bietet uns eine kleine Stadtführung an, da sie selbst in Broken Hill vor mehr als 40 Jahren lebte. Dankbar nehmen Uwe und ich an. Sie zeigt uns Strassen und Gassen, erklärt verschiedenes zu Gebäuden und klingt dabei etwas wehmütig.
Auf dem Bahnsteig verkaufen Einheimische mehr oder wenig Nützliches und ich sehe auf dem Bahnhofklo meine erste australische Riesenschabe.
Wieder im Zug fange ich an „Um 80 Tagen um die Welt“ von Jules Verne zu lesen. Draußen wird die Erde immer mehr rot und ab und zu sieht man ein Känguru hüpfen.

IndianPacificDessert

Zu Mittag esse ich geräucherte Austern aus der Dose und dazu Toast mit Aufstrich. Meine Äpfel und anderes Obst sollte ich auch bis an die Granze zu West Australien aufgegessen haben, da dort wieder strenge Einreisebestimmungn herschen. Früher dachte ich immer, Australien wäre „ein Land“. Da Australien keine Republik ist, kann man es wohl eher mit den verschiedenen Staaten von Amerika vergleichen.
Nachmittag kommen wir in Adelaide an, wo für Uwe die Fahrt zu ende ist. Da wir drei Stunden Aufenthalt haben, sehe ich mir die Stadt an.
Mein neuer Sitzkollege Alexandro kommt aus der Toskana und ist für ein Jahr in Australien. Wir unerhalten uns über die anstehenden Wahlen in Italien und wie sich mit dem Work and Travel Visum in Australien so leben lässt.
Abends hole ich mir eine kalte Whisky Cola vom Zugbistro und schaue zurück im Zugwagen „Per Anhalter durch die Galaxis“.
In Cook, einer Geisterstadt mitten in der Nullarbor Plain, machen wir am nächsten Morgen halt. Hier ist es wärmer und überall sind Fliegen, die sich auch von meinem deutschen Autan nicht abhalten lassen.

IndianPacificRoadClosed

In Kalgoorlie steigt Alexandro aus und ich habe die Nacht über zwei Sitze für mich alleine und schlafe so gut wie die zwei Tage vorher nicht. Am nächsten Morgen esse ich zuerst meine mitgebrachten Weet-Bix mit Milch und gehe dann in den Gemeinschaftswagon um mir die vorbeiziehende Landschaft anzusehen.

IndianPacificMichael

Drei Stunden später erreichen wir Perth. Ich finde es schade, das die Zugfahrt vorbei ist, war sie doch ein so großes Erlebnis für mich nach dem guten alten Motto „Der Weg ist das Ziel“.
Perth gefällt mir auf den ersten Blick und ich mache mich auf die Suche nach einem geeigneten Hostel.

60 Stunden nonstop

Bevor ich in den Flieger steige macht mir Trish, eine Kollegin von NZCare bei der ich von gestern auf heute übernachtet habe, ein englisches Frühstück.

TrishFruehstueck

Um 13Uhr fährt sie mich zum Flughafen und lässt mich dirkt vor dem Hauptgebäude aussteigen. Nachdem ich mein Gepäck aufgegeben habe und die Sicherheitskontolle durchlaufen bin, wechsle ich meine restlichen neuseeländischen Dollar in australische um. Das Mädel neben mir in der Abflughalle hat auch einen deutschen Pass.

AblugChristchurch

Als ich in den Flieger steige und es mir bequem mache durchströmt mich ein Glückgefühl. Es ist schön auf die vergangenen 7 Monate zurückzuschauen, welche neue Bekanntschaften ich geschlossen habe und welche Orte ich kennen lernen durfte. In Australien werde ich wieder Anfänger sein.
Da man eine Adresse in Australien auf dem Einreiseformular angeben muss, schreibe ich Lyndas Vater hin, der in Melbourn lebt. Lynda hat mir seine Daten gegeben, damit ich ein Bier mit ihm trinken gehen kann.
Da die Einreisebedingungen genau so scharf wie in Neuseeland sind, checke ich nochmals mein Gepäck. Mensch Meier! An das Holzkreuz hatte ich gar nicht gedacht. Soll ich es schnell noch wegschmeißen? Ich entscheide mich dagegen und ändere die Angaben auf dem Einreiseformular. Nach der Landung schnuppern Hunde das Gepäck ab, ich muss mich an einer Schlange anstellen, für gefährliche Güter. Glück gehabt! Mein Holzkreuz geht durch und ich war noch schneller als in der normalen Schlange. Lyndas Vater hat einmal für eine vergessene Banane in der normalen Reihe 400Dollar zahlen müssen.
Gleich beim Verlassen des Flughafengebäudes fällt es mir auf – die Luftfeuchtigkeit ist um einiges höher als in Neuseeland. Während ich auf die U-Bahn warte spricht mich ein älterer Herr an, der mich stark an einen Mafiosi erinnert. Er ist freundlich, kommt auch wirklich aus Italien und lebt seit 40 Jahren in Sydney.
Mit meinem Rucksack laufe ich zum Hostel, welches ich mir ausgesucht habe im Reiseführer, doch alle Betten sind schon belegt. Einige Häuserblocks weiter sehe ich ein anderes und checke dort ein. Das Dormzimmer sieht so aus als hätte eine Bombe eingeschlagen. Alles mögliche an Gepäck liegt am Boden verstreut. Dafür war der Preis recht günstig, was wohl auch daran liegen mag, das sich die Unterkunft nicht weit vom Rotlichtbezirk befindet.
In einem kleinen italienischen Restaurant esse ich eine Lasagne und mache anschließend einen abendlichen Spaziergang in Sydneys Hafen.

SpaziergangSydney

Das Frühstück ist umsonst, aber nicht von weither. Zumindest die Milch schmeckt gut. Ich mache mich auf den Weg zum Opernhaus von Sydney. Da es regnerisch ist sind, nur wenige andere Leute unterwegs.
Erst nachmittags reist die Wolkendecke auf und ich laufe über die Harbour Bridge um das Opernhaus auch von oben zu sehen.

OpernhausSydney

Mein erster Eindruck von Sydney ist recht gut. Man kann es schwer mit einer anderen Stadt vergleichen, vielleicht hat es etwas von London und Berlin. In den Strassen sehe ich kurz gefolgt hintereinander einen Rolls Royce, einen Maserati und einen Formel 1 Rennwagen. Auch viele deutsche Modelle wie Mercedes und BMW sieht man und das Deutsche Bank Hochhaus sticht zwischen den anderen heraus.
Mit einer Fähre geht es von einer Hafenseite zur anderen, überall sieht man ausgefallene Karaktäre und ich brauche etwas Zeit mich an den englischen Aussie Slang zu gewöhnen.
Am nächten Morgen laufe ich zum Sydney Tower und fahre hoch zur Aussichtsplattform. Von hier oben kann man die ganze Innenstadt überblicken.

SydneyTower

Einige Meter von mir entfernt sagt ein Mann zu seiner Frau im Dialekt wie ihn Altbundeskanzler Kohl spricht „Uff dem Bild bin ich obber net mit druf Erna, du musste mehr nachs links“. Ich frage die beiden ob ich den nicht eine Aufnahme von ihnen zusammen machen soll. Sie sind zur Zeit auf Weltreise und liegen hier 3 Tage vor Anker. Bei einem Besuch des Botanischen Gartens fallen mir Flughunde in den Bäumen auf. Als nächstes sehe ich mir das Australien Museum an, bin aber nicht sonderlich begeistert.
Da Sydney auch der Verkehrsknoten Australiens ist kann man von hier aus überall hinkommen. Nadine hatte mir einmal Perth empfohlen und auch auf meiner Reise hörte ich, wie schön es dort sein soll. Zweimal wöchentlich würde ein Zug dorthinfahren. Auf dem Bahnhof befrage ich mich und habe Glück, es ist noch ein Platz frei. So werde ich am Samstag den 25. März um 15Uhr eine Zugfahrt antreten, welche 60 Stunden später am Dienstag in Perth an der Westküste endet. Gleich nachdem ich das Ticket in Händen halte, geht mir durch den Kopf, was ich den alles zu essen einkaufen müsse, da der Zug unterwegs nicht anhält.

HarbourBridge

Abschied von der Strathean Ave

Vor 4 Monaten habe ich Michael aus England und Julia aus Ludwigshafen in Roturoa kennen gelernt. Es waren drei schöne Tage, die wir miteinander verbrachten. Jetzt sind die Zwei hier in Christchurch eingetroffen, haben Arbeit in einem Outdoorladen gefunden und heute Nachmittag wollen wir uns treffen. Ich sitze auf den Stufen zur Christchurch Cathedral und halte Ausschau nach den beiden. Von hinten klopft mir Michael auf die Schulter und wir geben uns allen gegenseitig einen „hug“. Entlang der Worcester Street schlendern wir zum Art Center wo wir in einem der kleinen Cafes Krapfen gefüllt mit Marmelade essen. Nicht weit entfernt liegt auch der Botanische Garten, wo wir die großen Bäume bestaunen. Zusammen fahren wir in meiner Ema zum Strand in New Brighton. Während der Fahrt hören wir eine Kassette mit alten, deutschen Schlagern und singen dazu. Als wir den Pier entlanglaufen kommt mir wieder in Erinnerung, wie ich hier nach der Nachtschicht herkam um einen kurzen Spaziergang zu machen. Die Wellen schlagen gegen den Pier und wir sehen hinaus aufs Meer.

PierMichaelJulia

Da Seeluft hungrig macht besuchen wir gemeinsam ein koreanisches Restaurant und gehen danach noch zusammen in ein irisches Pub etwas trinken.
Am nächsten Morgen muss ich mit Heidi, einer Bewohnerin der Strathean Ave zum Doktor, da sie Durchfall hat und die ganze Zeit schreit. Nach der Untersuchung schickt uns die Ärztin weiter ins Krankenhaus, da Heidi geröntgt werden muss. Etwas mulmig ist mir schon, weil ich nicht weis was da im Krankenhaus auf mich zukommen wird. Ich schiebe Heidi in ihrem Rollstuhl in die Notaufnahme und beantworte einer Schwester viele Fragen, die zur Einlieferung nötig sind. Da Heidi immer noch ununterbrochen schreit und dies die anderen Wartenten verunsichert, bringt man uns beide in ein kleines Zimmer, in dem wir 3 Stunden auf den Arzt warten. Zwischendurch bringt man mir ein Glas Wasser, Heidi wird über eine Magensonde versorgt und hat deswegen immer ihre Flüssignahrung dabei. Nachdem Blut genommen wurde, kommt Heidi ins Röntgenzimmer. Alle gehen raus, nur ich bekomme eine Bleischürze angezogen, um bei Heidi im Zimmer während der Aufnahme bleiben zu können. Zurück im kleinen Zimmer warte ich bis 21Uhr abends, dann kommt meine Ablösung von NZCare, welche die Nacht über bei Heidi bleiben muss.
Am nächsten Tag bin ich abends mit Kochen in der Strathean Ave an der Reihe und entscheide mich einen Braten in der Art zu machen, wie ich ihn schon in Le Bons Bay hatte. Dazu gibt es Gemüse, Stampf mit Ingwer und eine Schüssel Salat.
Übers Wochenende ist Yvonne, welche ich in Kaikoura und Oxford traf, zu Besuch in Christchurch. Wir gehen zusammen einen Kaffee trinken. Sie wird in einem Weinlabor in Blenheim anfangen und hat eine Verlängerung ihres Arbeitsvisas über 12 Monate hinaus beantragt.
Da mein letzter Arbeitstag bei NZCare ein Sonntag ist und die Bewohner nicht zur Arbeit oder Schule müssen, schnappe ich mir Brad und Pam um mit ihnen einen kleinen Ausflug zu unternehmen. Wir fahren in den Stadtteil Riccarton, wo heute Wochenmarkt ist. Ich schiebe Brad in seinem Rollstuhl und Pam läuft uns hinterher. Überall entdecken die beiden interessante Dinge und zeigen darauf, wenn ich das englische Wort dafür weiß, sage ich es ihnen. Einem Jungen, der Akkordeon spielt, geben wir einen Dollar und hören ihm eine zeitlang beim Spielen zu. Welch ein Zufall – auch der Fritzwurstwagen ist da!

PamBradFritz

Jedem kaufe ich eine Bratwurst mit Sauerkraut und Senf. Brad isst zwar nur die Wurst, dafür verputz Pam sein Brötchen mit. Bevor wir weiterfahren kaufe ich den beiden noch etwas zu naschen und an einem Blumenstand für die Strathean Ave eine Wasserlilie.
Als wir zurück sind wartet eine Überraschung auf mich. Meine Kolleginnen haben Kuchen gebacken, den Kaffeetisch für uns alle gedeckt und überreichen mir ein Abschiedsgeschenk. Ich freue mich wie ein Schneekönig, sie haben mir eine Cappie mit der Aufschrift „New Zealand“ und ein kleines Büchlein mit der Geschichte über die „Fußspuren im Sand“ geschenkt, welche mir schon am Cape Farewell begegnete. Richtig wehmütig bin ich jetzt, waren es zwar harte, dafür jedoch unvergessliche Wochen bei NZCare. Sie überreichen mir auch eine Glückwunschkarte und sagen mir, das ein kleines Stück von mir in der Strathean Ave bleiben wird.
Für die Bewohner habe ich Muffins gekauft, die ich nun austeile und für meine Kolleginnen Ferrero Roche und jeder eine Kerze. Nachdem ich jedem im Haus noch einen „hug“ gegeben habe, breche ich auf, wieder mal mit einem Frosch im Hals.