Abschied von der Strathean Ave

Vor 4 Monaten habe ich Michael aus England und Julia aus Ludwigshafen in Roturoa kennen gelernt. Es waren drei schöne Tage, die wir miteinander verbrachten. Jetzt sind die Zwei hier in Christchurch eingetroffen, haben Arbeit in einem Outdoorladen gefunden und heute Nachmittag wollen wir uns treffen. Ich sitze auf den Stufen zur Christchurch Cathedral und halte Ausschau nach den beiden. Von hinten klopft mir Michael auf die Schulter und wir geben uns allen gegenseitig einen „hug“. Entlang der Worcester Street schlendern wir zum Art Center wo wir in einem der kleinen Cafes Krapfen gefüllt mit Marmelade essen. Nicht weit entfernt liegt auch der Botanische Garten, wo wir die großen Bäume bestaunen. Zusammen fahren wir in meiner Ema zum Strand in New Brighton. Während der Fahrt hören wir eine Kassette mit alten, deutschen Schlagern und singen dazu. Als wir den Pier entlanglaufen kommt mir wieder in Erinnerung, wie ich hier nach der Nachtschicht herkam um einen kurzen Spaziergang zu machen. Die Wellen schlagen gegen den Pier und wir sehen hinaus aufs Meer.

PierMichaelJulia

Da Seeluft hungrig macht besuchen wir gemeinsam ein koreanisches Restaurant und gehen danach noch zusammen in ein irisches Pub etwas trinken.
Am nächsten Morgen muss ich mit Heidi, einer Bewohnerin der Strathean Ave zum Doktor, da sie Durchfall hat und die ganze Zeit schreit. Nach der Untersuchung schickt uns die Ärztin weiter ins Krankenhaus, da Heidi geröntgt werden muss. Etwas mulmig ist mir schon, weil ich nicht weis was da im Krankenhaus auf mich zukommen wird. Ich schiebe Heidi in ihrem Rollstuhl in die Notaufnahme und beantworte einer Schwester viele Fragen, die zur Einlieferung nötig sind. Da Heidi immer noch ununterbrochen schreit und dies die anderen Wartenten verunsichert, bringt man uns beide in ein kleines Zimmer, in dem wir 3 Stunden auf den Arzt warten. Zwischendurch bringt man mir ein Glas Wasser, Heidi wird über eine Magensonde versorgt und hat deswegen immer ihre Flüssignahrung dabei. Nachdem Blut genommen wurde, kommt Heidi ins Röntgenzimmer. Alle gehen raus, nur ich bekomme eine Bleischürze angezogen, um bei Heidi im Zimmer während der Aufnahme bleiben zu können. Zurück im kleinen Zimmer warte ich bis 21Uhr abends, dann kommt meine Ablösung von NZCare, welche die Nacht über bei Heidi bleiben muss.
Am nächsten Tag bin ich abends mit Kochen in der Strathean Ave an der Reihe und entscheide mich einen Braten in der Art zu machen, wie ich ihn schon in Le Bons Bay hatte. Dazu gibt es Gemüse, Stampf mit Ingwer und eine Schüssel Salat.
Übers Wochenende ist Yvonne, welche ich in Kaikoura und Oxford traf, zu Besuch in Christchurch. Wir gehen zusammen einen Kaffee trinken. Sie wird in einem Weinlabor in Blenheim anfangen und hat eine Verlängerung ihres Arbeitsvisas über 12 Monate hinaus beantragt.
Da mein letzter Arbeitstag bei NZCare ein Sonntag ist und die Bewohner nicht zur Arbeit oder Schule müssen, schnappe ich mir Brad und Pam um mit ihnen einen kleinen Ausflug zu unternehmen. Wir fahren in den Stadtteil Riccarton, wo heute Wochenmarkt ist. Ich schiebe Brad in seinem Rollstuhl und Pam läuft uns hinterher. Überall entdecken die beiden interessante Dinge und zeigen darauf, wenn ich das englische Wort dafür weiß, sage ich es ihnen. Einem Jungen, der Akkordeon spielt, geben wir einen Dollar und hören ihm eine zeitlang beim Spielen zu. Welch ein Zufall – auch der Fritzwurstwagen ist da!

PamBradFritz

Jedem kaufe ich eine Bratwurst mit Sauerkraut und Senf. Brad isst zwar nur die Wurst, dafür verputz Pam sein Brötchen mit. Bevor wir weiterfahren kaufe ich den beiden noch etwas zu naschen und an einem Blumenstand für die Strathean Ave eine Wasserlilie.
Als wir zurück sind wartet eine Überraschung auf mich. Meine Kolleginnen haben Kuchen gebacken, den Kaffeetisch für uns alle gedeckt und überreichen mir ein Abschiedsgeschenk. Ich freue mich wie ein Schneekönig, sie haben mir eine Cappie mit der Aufschrift „New Zealand“ und ein kleines Büchlein mit der Geschichte über die „Fußspuren im Sand“ geschenkt, welche mir schon am Cape Farewell begegnete. Richtig wehmütig bin ich jetzt, waren es zwar harte, dafür jedoch unvergessliche Wochen bei NZCare. Sie überreichen mir auch eine Glückwunschkarte und sagen mir, das ein kleines Stück von mir in der Strathean Ave bleiben wird.
Für die Bewohner habe ich Muffins gekauft, die ich nun austeile und für meine Kolleginnen Ferrero Roche und jeder eine Kerze. Nachdem ich jedem im Haus noch einen „hug“ gegeben habe, breche ich auf, wieder mal mit einem Frosch im Hals.

Ein Gedanke zu “Abschied von der Strathean Ave

  1. huhu michl

    ich hoffe mal, der abschied ist dir trotzdem nicht zu schwer gefallen, der gedanke zurückkommen zu könne, sollte doch etwas aufmunternd sein 🙂

    ist ja kein wunder, dass deine NZ-pfleglinge das fritzding nicht so toll finden, mir würde das auch nicht entsprechen 😉

    ich denke mal der herzliche abschied hat sehr viel über deine beliebtheit ausgesagt – wohl das wertvollste geschenk auch wenn man es nicht greifen kann 🙂

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