Ein halbes Jahr

Jeder Bewohner hat heute schon einen kleinen Ausflug hinter sich, außer Kathe. So hole ich ihren Sonnenhut und schiebe sie in ihrem Rollstuhl einige Stassen weiter zu einem großen Einkaufszentrum. In der Zeitschriftenabteilung sucht sie sich ein Magazin aus, welches wir kaufen und anschließend gönnen wir uns beide einen Flat White Kaffee im kleinen Bisto gegenüber.
Abends bin ich an der Reihe für sieben Personen zu kochen. Ich mache Fischstäbchen, Stampf mit Butter und gebackenen Bohnen. Als Nachspeise gibt es einen Schokopudding.
Um 20Uhr klingelt das Haustelefon, meine Managerin ist am Apperat und fragt ob ich bereit wäre eine Nachtschicht in einem anderen Haus von 21Uhr bis morgens um 7Uhr zu arbeiten. Erst weis ich nicht so recht, sage dann trotzdem zu. 18km weiter erreiche ich kurz nach 21Uhr das andere Haus. Die fünf Männer, welche hier leben, schlafen bereits schon alle, nur einer schreit ab und zu nach seiner „Mummy“. Ich wasche und trockne Wäsche, putze die Fenster von innen mit Ajax und mache mir anschließend um 1Uhr morgens ein Sandwich und einen heißen Tee mit Milch. Den Wecker meines Handys stelle ich jeweils auf 30 Minuten ein, damit ich nicht einschlafe. Im TV laufen die Olympischen Winterspiele. Meine Aufgaben habe ich soweit erledigt jetzt heisst es sich die Nacht um die Ohren schlagen und alle Stunde nachzuschauen, wie es um die einzelnen Bewohner steht.
Um 5:30Uhr ist der erste auf, ich suche mit ihm Klamotten für den Tag aus und helfe ihm beim Duschen. Den zweiten Bewohner wecke ich um 6:30Uhr und verfahre genauso mit ihm. Eine halbe Stunde später kommt schon meine Ablösung. Ich kriege einen rießigen Schrecken, weil mir nicht gesagt wurde, das die beiden Hepatitis haben, ich zwar Einweghandschuhe im Bad trug, aber nicht als ich die Betten abzog, welche nass waren. Gut das ich vor Liberia 2001 eine Impfung bekam, jetzt will ich nur das beste hoffen.
Bevor ich nach 16 Stunden Dienst zurück in die Kilmore Street fahre und in mein Bett gehe, mache ich noch einen Zwischenstopp am Strand, da es so ein herrlicher Morgen ist. Ich laufe nahe dem Pier entlang, genieße die frische Morgenluft und die warmen Sonnenstrahlen. Morgen am 20. Februar 2006 ist es nun genau ein halbes Jahr her, das ich neuseeländischen Boden betreten habe. Nie hätte ich im Voraus zu erdenken vermocht was ich bisher schon hier in diesem Land der Träume für einmalige Erlebnisse und Erfahrungen machen durfte.

NachNachtschichtStrand

5 Gedanken zu “Ein halbes Jahr

  1. das ist ja wohl der hammer, das dir das keiner gesagt hat!!!!!
    ich hoffe das nichts passiert ist!!

    und ich finds krass, das du da nachtdienst gemacht hast obwohl du die leute nicht kanntest und alles….

    aber so lernt man immer wieder dazu, gell 🙂

    liebe grüße,
    kristin

    Like

  2. Huhu Michel,

    mensch das ist ja wohl ein Ding was du da oben so schreibst 😦 halt mich doch bitte
    auf den laufenden wie es Dir geht und wie die Sache ausgegangen ist.

    Ansonsten hast du bestimmt viel Arbeit wo ich dich nicht drum beneide, ABER ich beneide dich um den Morgenspaziergang an diesem wunderschönen blauen Meer 😎 Geniess die freien Stunden zwischen deiner Arbeit.

    Liebe Grüße Karin

    Like

  3. hi michl

    wie siehts denn aus bei dir?
    ich hoffe doch sehr, der infektionsverdacht hat sich NICHT bestätigt?!?

    gib mal bescheid, damit wir alle wieder beruhigt sein können 😉

    lg, nadine

    Like

  4. Hallo Micha,

    jetzt schaffe ich es endlich mal, Dir wieder zu schreiben. Respekt vor Deiner Arbeit, ist sicherlich nicht immer einfach und vielleicht kostet es manchmal auch Ueberwindung, die ein oder andere Sache zu machen. Wenn man sich dann aber vor Augen haelt, wie sehr die Menschen auf die Hilfe angewiesen sind, ist es hoffentlich nicht mehr so schlimm. Viele Menschen haben Beruehrungsaengste und wollen mit geistig oder koerperlich behinderten Menschen nichts zu tun haben, deswegen bewundere ich Dich fuer Deine Ausdauer und Dein Engagement! Werde noch 2 bis 3 Wochen in Kaikoura bleiben, dann vielleicht fuer 1 Woche an der Westcoast entlangreisen und dann komme ich ebenfalls in Christchurch an. Freue mich schon darauf, Dich zu treffen und lade Dich hiermit schon mal auf einen Kaffee ein!

    liebe Gruesse,
    Katja

    Like

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s