Akiko

Vor mir brangt ein grosses Schild mit der Aufschrift „Work and Income“, das neuseeländische Arbeitsamt. Etwas mulmig ist mir schon, wie werde ich wohl empfangen werden? Hab ich überhaupt ein Recht als Ausländer darein zu gehen? Ach was, fragen kostet nichts. So trete ich durch die Türe und gleich dahinter sitze an einem Empfangsschalter eine ältere Dame. Sie fragt wie sie mir helfen kann, ich erläutere meine Situation und schon holt sie eine Beraterin herbei, die mich mit zu ihrem Arbeitsplatz nimmt. Ich hätte Fachinformatiker gelernt, könne hier in Chistchurch aber auch andere Tätigkeiten ausführen, erkläre ich ihr. Sie tippt etwas in ihren PC, fragt mich wie lange ich in der Stadt bleiben will und schlägt mir am Ende vor es am Besten in der Gastronomie zu versuchen. IT Jobs seien auf der Südinsel rar, meint sie und ich hätte schon recht, es eher dann damit in Wellington zu versuchen. Heute am Montag sei es aber schlecht mit der Suche zu beginnen, bis morgen solle ich noch warten und um ungefähr 11Uhr damit anfangen verschiedene Gastronomiebetriebe abzuklappern.
Im Internetcafe kürze ich am Nachmittag meinen dreiseitigen Lebenslauf auf eine und ergänze ihn noch etwas. Mit 30 Kopien will ich morgen mein Glück versuchen.
Am Cathedral Square ruhe ich mich etwas aus, sitze einfach da ohne den Drang zu haben weiter zu müssen.

Cathedral Square

Schön sich die Menschen hier anzusehen. Manchmal erkennt man sich in einen von ihnen wieder, wie sie zu diesem wunderschönen Platz hergehetzt kommen, schnell das beste Foto schießen wollen, um dann so schnell wie möglich wieder weiter zu gehen, ohne richtig die Umgebung dabei auf sich wirken gelassen zu haben. Soviel gibt es hier zu entdecken. Einen kleinen Japaner, mit langen schwarzen Bart, schwarzen Hut und schwarzen Anzug, der einen vor der große Kathedrale fotografiert. Viele Gaugler, welche jonglieren. Ein Prediger, welcher das nahe Ende der Welt beschwört. Ein Zauberer auf einer Leiter, welcher über alle möglichen Dinge schimpft. Und nicht zuletzt das allgemeine Flair von diesem Platz hier, welches ich so aus keiner der anderen großen Städte Neuseelands kenne, abgesehen von Dunedin mit seinem Octagon vielleicht.
Nach langer Zeit stehe ich auf und gehe ins Hostel zurück um Abendessen zu kochen.
Um 10.30Uhr beginne ich am nächsten Morgen in einer Pizzaria mit der Suche nach Arbeit. Leider gibts hier nichts, doch ich bekommen einen Tipp, wo ich es als nächstes versuchen kann. Manchmal bekomem ich gleich eine Absage, manchmal kann ich meinen Lebenslauf dort lassen, auf dem auch meine Rückrufnummer steht und manchmal soll ich einen Bewerbungsbogen ausfüllen. In einem vegetarischen Rastaurant nahe dem Botanischen Garten bietet man mir sogar einen Tee an, während ich deren Bogen ausfülle. Am Ende des Tages war ich in über 35 Gastronomiebetrieben und habe dabei viele interessante Menschen kennen lernen dürfen.
Mein Handy führe ich die nächsten zwei Tage ständig bei mir, doch bisher klingelte es noch nicht.
Heute am Donnerstag treffe ich mich mit Akiko Nanami und wir gehen zusammen einen Kaffee trinken.

Akiko Nanami welche ich von Karamea kenne

Ich kenne Akiko aus Karamea, dort teilten wir uns ein Zimmer. Gerne denke ich an die zwei Tage im Rongo Hostel zurück mit der unvergesslichen Radiosendung des Hippies Paul.
Akiko studiert seit drei Jahren hier in Christchurch und war vorher schon in vielen anderen Ländern der Erde.
Anschließend zeigt mir Akiko wo man in Christchurch günstig, gut und authentisch japanisch essen gehen kann. Da ich die letzten Tage selbst gekocht habe, beschließe ich abends gleich eines ihrer Lieblingslokale auszuprobieren. Ich bestelle Tofu mit Reis, dazu einen grünen Tee und erwarte nur einen Teller. Zuerst denke ich, die Kellnerin hätte sich geirrt, doch sie versichert mir, dass die ganzen kleinen Schüsseln zu jedem Gericht gehören.

Nicht das letzte Mal werde ich hier essen gehen

3 Gedanken zu “Akiko

  1. da du ja auf der suche nach einer anstellung in einem gastronomiebetrieb bist, musste ich gerade wieder an die „fritzwürste“ denken.

    vielleicht wären die von einem exilbayern (jaja ich weiss, ein böser stilbruch – wir sind franken *gg*) ja begeistert, der ihre tourismuswürstchen zubereitet und in der landessprache etwas zum besten geben könnte? 😉

    Like

  2. Hallo Bayer, äh Franke,

    genau, mit den Würstchen ist eine gute Idee. Dann kannst Du gleich noch den Kontakt zu einem Würschtlema herstellen, zwecks Belebung des Exportgeschäfts von Dtl.

    Aber ich denke, das wird den Zollbestimmungen von NZ nicht entsprechen. 🙂 siehe Weihnachtsbaum.

    Aber Du solltest das mit dem Fritzwürsten schon versuchen, du hast doch bestimmt eine bayrische Fahne als Nachweis deiner Herkunft mit, oder? 🙂

    Viele Grüße vom Thüringer aus Franken.

    PS. Mal nebenbei bemerkt: Die besten Würste kommen ja aus Thüringen. :-()

    Like

  3. Hallo Michl

    und auch hier nochmal ganz herzlichen Dank für deine riesen Überraschung! Ich werd sie wohl niemals vergessen! Hab dir auch schon eine sms geschrieben, aber falls sie nicht angekommen ist hier nochmal ein herzliches Dankeschön von uns beiden. Eigentlich kann ichs gar net richtig ausdrücken wie sehr wir uns beide gefreut haben!

    Like

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s