Waschen im Fluss

Mir wird nur ein leises Lächeln zugeworfen, nach meiner Frage, ob Sonntag hier auch gearbeitet wird auf der Plantage. So stehe ich am 3. Advent 2005 zu früh um 6Uhr auf, fange um 7Uhr Kirschenpflücken an, lasse die Mittagspause aus, da es nach Regen aussieht und viele Kirschen bis dahin gepflückt sein müssen. Um 17:30Uhr sind wir mit dem Plücken fertig, essen schnell etwas, denn um 18Uhr sollen wir im Packhaus arbeiten. Als wir am Packhaus ankommen, bekommen wir eine kurze Einführung, wie die Kirschen am Fliessband ausgelesen werden müssen und fangen an. Während ich die Kirschen so schnell wie möglich in die verschiedenen Kategorien versuche einzuteilen, muss ich daran denken, dass andere Menschen dies hier ihr ganzes Leben machen müssen und ich es aus freiem Willen mache, auch wenn es mir gerade in dem Moment nicht einfach fällt. Um 23:30Uhr spielen meine Augen auf einmal verrückt, das Fliesband scheint still zu stehen, dafür bewegt sich alles aussen herum. Ich weis ja, dass es nur eine optische Täuschen sein kann, doch auch nachdem ich meine Augen geschlossen und wieder aufgemacht habe, hat sich nichts an meinem Blick geändert. Ich muss wohl übermüdet sein. Um 0:30Uhr ist endlich mein Arbeitstag vorbei und so schnell werde ich diesen Adventsonntag 2005 wohl nicht vergessen.
Am nächsten Tag regnet es, alle anderen gehen wieder ins Packhaus, doch ich beschließe einfach nicht hinzugehen, sondern ins Hallenbad nach Blenheim um mich dort nach 5 Tagen endlich wieder einmal duschen und rassieren zu können. Eine bessere Entscheidung hätte ich nicht fällen können, ich genieße den Vormittag, den Nachmittags geht es wieder auf den Weinberg Drähte nachspannen. Inzwischen habe ich darin schon etwas Übung und zusammen mit den zwei Pragern schaffen wir allerhand Reihen. Die Kunst dabei ist, so wenige Weinstauden wie möglich zu verletzen. Es gibt zwei Drähte und 5 Nägel und je nachdem, wie hoch die Pflanze schon ist, müssen die Drähte ausgehängt und hochgespannt werden. Dabei legt man sich mit seinem Körpergewicht nach hinten, zieht dabei an dem Draht, geht in die Knie und versucht soviele Triebe wie möglich dabei zu erwischen.

Wirelifting

Die nächsten Tage wechseln sich Arbeit auf dem Weinberg, Kirschenpflücken und abends Auslesen von Krischen im Packhaus ab. Nachdem ich mir durchkalkuliert habe, wieviel Geld ich hier verdiene und mich entschieden unterbezahlt finde, beschließe ich dem Besitzer zu sagen, dass ich nur noch bis Freitag hier bleiben werde – schon allein weil ich wenigens den 4. Advent nicht wieder durcharbeiten will.
Da unsere sauberen Klamotten langsam zu Neige gehen und wir auch wieder ein Vollbad nötig haben, fahren wir in der Mittagspause zum nahe gelegenen Fluss um dort die Wäsche und uns zu waschen. Etwas Überwindung kostet es mich schon einzutauchen, doch danach genieße ich mit den zwei Pragern das kühle Naß.

Etwas frisch ist es schon

Am folgenden Tag ist wöchtentlicher Zahltag, ich bekomme einen Scheck, der ungefähr so hoch ausgestellt ist, wie ich es mir vorher schon ausgerechnet hatte.
Zusammen mit den zwei Pragern, Flo und Franzi aus Apolda in Thüringen und Sandra aus Leipzig kaufen wir frischen Fisch und machen dazu Reis und Tomaten-Zwiebel Gemüse.

fricher Fisch

Wie jeden Abend richte ich mir mein Autobett her. Es ist komfortabler als man es sich vorstellt. Ich lege den Sitz zurück, lege ein Kissen und eine kleine Decke in den Schlitz, darüber kommt dann meine Doppelbettdecke, welche ich in der Mitte falte um mich schön einmummeln zu können. Vor dem Einschlafen lese ich seit einiger Zeit ein Buch über Weihnachtswunder und wenn es zu dunkel zum Lesen wird sehe ich mir den Sternenhimmel an.

Ich köntte ewig da liegen und zum Himmel sehen...

2 Gedanken zu “Waschen im Fluss

  1. Moin Moin Michl,

    danke für deinen Eintrag in unseren Blog.

    Obwohl das Wasser auf deinem Bild schon ziemlich kalt ausschaut ist man ein bisschen neidisch wenn man bei uns aus dem Fenster schaut: SChnee Schnee Schnee. *g* Aber jede Jahreszeit hat eben was für sich. Im Winter wünscht man sich den Sommer, im Sommer denkt man ach es könnte doch mal bisschen schneien.

    Pflückst du denn immer noch kirschen?
    Deine Finger sind doch bestimmt schon ganz schön rot.

    Liebe grüße aus
    dem verschneiten Helmbrechts

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  2. monotone arbeit ist mit das schlimmste, was es gibt – da wird man auf dauer matschig im kopf…
    ich weiss wovon ich rede, aber näheres erzähle ich dir mal in einer email, oder in einem brief.
    so ein autobett auf den sitzen wäre nichts für mich, da verliegt man doch total? wenn ich mal im auto übernachten muss, nutze ich einfach den vorteil meines großen kombis und kann da auf einer geraden fläche recht komfortabel nächtigen. auf dauer ist das natürlich nichts…vor allem nicht bei den temperaturen, die hier gerade herrschen 😉

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