Richtiges Haus?

Ich dachte immer Jims Schwester Joan, zu der alle Jo sagen, wohnt gleich neben Christchurch. Doch jetzt bin ich schon 40km gehn Osten gefahren und immer noch kam kein Abzweigschild. Es ist ein kleiner Ort, sogar ein sehr kleiner, aber irgendwann muss ja ein Schild kommen. Eines ist klar – dies hier ist eine der schönsten Gegenden, die ich bisher auf der Südinsel durchquert habe.
Nach 70km komme ich in Akaroa an, was bedeutet ich habe die Abzweigung verpasst. Doch ich steige aus und sehe mich ein bisschen um. Viel Strassen tragen französische Namen wie auch die meisten kleinen Restaurants und Geschäfte. Später werde ich hierher zurückkommen, um für die nächsten Tage Vorräte einzukaufen.
Beim Verlassen von Akaro sehe ich gleich ein Schild mit der Aufschrift 18km bis Le Bons Bay, der kleine Ort wo Jo´s Haus steht. Wow, ist das eine schmale Strasse die sich immer wieder an den Bergen entlang windet.

...da geht einem das Herz auf

Meinen Fuss habe ich öfters auf der Bremse, als auf dem Gas und umso weiter ich von Akaroa weg komme um so mehr denke ich, das hier muss das Ende der Welt sein. Zwei anderen Autofahren begegne ich und wir grüßen uns freundlich, was hier in dünn besiedelten Regionen oft Sitte ist.
Le Bons Bay zieht sich entlang von 5km und hat gesamt vielleicht 20 Häuser. Doch welches davon gehört Jo? Das hier könnte es sein. Ich fahre langsam in den Innenhof. Nein doch nicht. Oder doch? Ich steige aus und laufe ums Haus. Niemnd da. Das würde ja passen. Klingel gibt es keine, wie meist in Neuseeland. Jo meinte, die Türe wäre offen und ich kann einfach reingehen. Doch was wenn ich in ein fremdes Haus gehe? Etwas mulmig ist mir schon, doch ich öffne langsam die Türe. In der Ecke läuft ein alter Computer. Ich gehe hin, er läuft seit Tagen, die letzten Mails wurden am 22. abgeholt und heute ist der 25. November. Ich sehe mich um. Ich bin wirklich richtig – an der Wand hängt ein Foto von Jo´s Mutter. Uff, ich atme erstmal durch. Gleich dannach hole ich meine Sachen ins Haus und sehe wie draußen zwei Autos gefahren kommen. Es ist Alf, der sich während der Absenheit von Jo um deren Anwesen kümmert. Ich stelle mich vor, doch er ist schon komplett informiert. Ich frage ob ich etwas helfen kann und Alf schmeist für mich den Rasenmäher an. Jo hat einen großen, schönen Garten. Nach der Hälfte fragt Alf ob ich noch Fragen habe, sonst sehen wir uns morgen am Samstag wieder. Ich frage schnell noch, ob es sicher ist im Meer zu schwimmen, er sagt ja, aber der Fluss wäre wärmer.
Am Abend sitze ich auf dem Sofa, lese und höre Jazz. Viele Gedanken gehen mir durch den Kopf. In den Hostels kommt man abends gar nicht gross zum nachsinnen, da immer jemand da ist, mit dem man sich unterhalten kann. Schon um 21Uhr gehe ich ins Bett.
Das Telefon klingelt, ich mache meine Augen auf, es ist schon wieder hell draußen und meine Uhr zeigt 7Uhr. Ich hab keine Lust aus dem warmen Bett zu kriechen und lasse es einfach klingeln. Oder soll ich doch rangehen? Nein, ich bleibe liegen. Es hört auf. Nach 5 Minuten kugle ich dann doch aus dem Bett und das Telefon klinglt wieder. Diesmal gehe ich ran.
Es sind die BJees! Was für eine große Überraschung! Sie sitzen gerade alle in der Gruppenstunde freitag abends und feiern den ersten Platz, den wir beim Kreiswettbewerb der Rot Kreuz Bereitschaftsjugenden belegt haben. Ich freu mich Ihre Stimmen zu hören. Und so viele sind heute in der Gruppenstunde, jeden frage ich was mir spontan einfällt und auch sie fragen mich. Wir legen auf, ich mache mir einen Tee mit Milch, sehe vom Sofa aus durch das Fenster nach draußen und lasse mir das Gespräch von eben noch eimal durch den Kopf gehen.

Ein Gedanke zu “Richtiges Haus?

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s