Rainbow Worrior

Von Pahia nach Kerikeri führt mich mein heutiger Weg, vorbei an vielen Obstplantagen. Oft werden am Strassenrand günstig Orangen angeboten. Ich komme in einer gemütlichen Jugendherberge mit herlichem Garten unter, teile mir das Zimmer mit einem Mitvierziger, der mir erzählt er sei noch nicht lange aus dem Gefängnis entlassen worden und jetzt hier wohne. In ein paar Tagen will er weiter nach Christchurch um dort nach Arbeit zu suchen.
Am Abend beschließe ich ins Kino zu gehen. Es wird nur ein Film gezeigt – „Willi Wonka and the chocolate factory“ (mit Jonny Deep).

Charlie und die Schokoladenfabrik

Vogelgezwitscher weckt mich am Morgen auf und durchs Fenster scheint die Sonne. Mein Weg soll mich heute nach Mangonui führen. Links und rechts der Strasse sehe ich immer wieder Microwellen, welche zu Postkästen umfunktioniert wurden.
In der Matauri Bay lege ich einen Zwischenstopp ein um mir das Rainbow Worrior Memorial anzusehen, welches auf einem Hügel liegt. Das Greenpeace Schiff Rainbow Worrior wurde 1985 von französischen Agenten versenkt. Hier am Denkmal ist die ehemalige bronzene Schiffsschraube angebracht, welche geborgen wurde. Ich bin ganz allein hier oben, berühre sie und der Wind weht um meine Nase.
(für weitere Details zum Attentat auf die Rainbow Worrior hier klicken http://de.wikipedia.org/wiki/Rainbow_Warrior )

Rainbow Worrior Memorial

Nicht weit weg liegt die Rainbow Worrior am Meeresgrund und man kann zu ihr hinabtauchen.

...weit, weit von daheim

Da mein Magen knurt hole ich mir eine Portion „Fish & Chips“, setze mich auf eine Bank unter einem Baum und schaue hinaus aufs Meer.
Flutsch! Da scheißt mir doch so ein dummer Vogel direkt in mein Mittagessen! Und da heißt es immer, alles Gute kommt von oben. Heute ist echt nicht mein Tag! Ich gehe zurück zum Auto. Jetzt geht der verdammte Kofferraum auch nicht mehr auf! Ich versuche es ein zweites Mal. Oh mein Gott – ich bin am falschen Auto!

Ausblick auf die Matauri Bay

money, money

Da heute ein verregneter Tag ist, mache ich Dinge, welche ich sonst immer aufgeschoben habe. Dazu gehoert Euch einmal das neuseelaendische Geld vorzustellen.
Die Muenzen sind alle ziemlich gross, vorallem die 50Cent Muenze (zum Vergleich habe ich einmal ein 2Euro Stueck daneben gelegt).

neuseelaendische Muenzen
(zum Vergroessern bitte Bild anklicken)

Lustig finde ich auch die Geldscheine, denn sie besitzen ein transparentes Fenster, durch welches man hindurchsehen kann.

Guck, guck

Hole in the rock

Etwas aufgeregt bin ich schon, heute geht es mit dem Boot durch die Bay of Islands Bucht und es herscht ein ganz schoen hoher Seegang.
Nach nichtmal einer halben Stunde Fahrt begleitet uns ein Schwarm von Delphinen. Sie springen und machen Rollen, man koennte denken man waere im Zoo, aber das hier ist die Realitaet.

In Flippers Wohnzimmer

Das Ziel des Ausfluges ist der sogenannte „Hole in the rock“, ein riessiger Felsduchbruch mitten im Meer. Leider ist das Wetter zu stuermisch um durchfahren zu koennen, aber auch so ist es ein beeindruckender Anblick.

Hole in the rock

Arztbesuch

Gespannt bin ich schon auf die Autofaehre von Russell nach Pahia. Heute morgen sind noch nicht viele Autos unterwegs, auf die Faehre kommen nur 11 andere Fahrer. Die Ueberfahrt kostet 9 Dollar und ist schnell vorbei. In Pahia angekommen suche ich nach der Jugendherberge und buche drei Naechte in einem 8Bett Zimmer. Heute Nacht habe ich den grossen Raum fuer mich alleine.
Zum Fruehstueck gehe ich zu Hansons, hier gibt es fuer 10,50Dollar ein reichhaltiges neuseelaendisches Fruehstueck. Seit gestern ist meine 10taegige Erkaeltung vorbei, doch was komisch ist, mein linkes Ohr ist immer noch dicht. Es tut zwar nicht mehr weh, aber ich verstehe die Leute nicht gescheit (was nicht an meinen Englischkentnissen liegt). Zwei verschiedene Praeperate aus zwei verschiedenen Apotheken haben nichts gebracht und so beschliesse ich doch einmal zum Arzt zu gehen.
An der Rezeption fragt mich eine nette Frau, ob ich zum Doktor wolle und nach 5 Minuten Wartezeit bittet sie mich ins Sprechzimmer. Sie selbst ist die Doktorin und ich erklaere ihr meine Situation.
Nachdem sie mit einem Geraet in mein Ohr geschaut hat stellt sie die Dianose – Mittelohrentzuendung.
Ich bekomme Anitbiotika verschrieben und hole mir die Packung gleich in der Apotheke ab.

...muss ich die naechsten 6 Tage einnehmen

Zurueck in der Jugendherberge begruesst der Herbergsvater mich mit „Hello Michael“ und laed mich zu einem Tee und Kuchen ein.

Selbstversorger

Hafen von Russell am Abend

Noch vor der Abfahrt empfehlen mir Anne und Jason eine Strecke die Küste entlang nach Norden, welche ich jetzt fahre. Ich erblicke das erste mal richtig dichten Wald und manchmal sehe ich das Meer hinter der nächsten Kurfe.
Nach 90km und 2 Stunden Fahrt komme ich in Russell an. Es fällt mir gleich beim Aussteigen auf, wie ruhig es hier ist, fast zu ruhig, aber sehr beschaulich. Im örtlichen Supermarkt decke ich mich mit Waschmittel, Salami und Nudeln ein, die es heute abend geben soll.
Ich übernachte in einem kleinen Raum auf einem Campingplatz, hier ist es sehr sauber und nur wenigen anderen Gästen begegne ich.
Gleich früh am Morgen will ich meine neu erstandene Angelausrüstung testen. Das Zusammenstecken der Angel bereitet mir weniger Probleme, doch wie geht das mit dem Gewicht, dem Hacken, der komischen Öse (weis immer noch nicht fuer was die gut sein soll) und dem Köder. Nach etwas probieren habe ich alles zusammengebunden und werfe meine Angel das erste mal aus, nicht sehr weit aber immerhin.
Ich glaub es nicht! Da zieht doch etwas! Ich betätige den Stopper an der Angel und halte gegen. Ziehe die Leine ein und wirklich, ich habe meinen ersten Fisch gefangen! Bin ganz hippelig. Nach der ersten Freude kommt aber schon die Ernüchterung – jetzt muss ich das arme Ding umbringen.

Mein erster Fang

Abschied von Anne und Jason

Gruppenfoto zum Abschied

Bevor ich mich von Anne und Jason verabschiede, kaufe ich mir noch im Warehouse alle moeglichen Dinge, welche ich fuer meine Reise mit dem Auto als sinnvoll erachte. Eigentlich hatte ich vor ueberwiegend in Hostels und Backpackers zu uebernachten, doch jetzt wo ich ein Auto habe und darin auch mal eine Nacht verbringen kann, bin ich um einiges unabhaeniger von Orten mit Schlafgelegenheiten. Zwei Kissen und eine Doppelbettdecke sollen meinen Schlaf im Auto angenehmer werden lassen und eine kleine Campingausruestung soll fuer mein leichliches Wohl sorgen (vielleicht besorge ich mir auch noch eine Angel).
Doch jetzt heisst es Abschied nehmen, ich druecke Anne und Jason nochmal ganz fest, bedanke mich fuer das gute Esse und alle die Hilfe, die sie mir zuteil haben lassen. Ein kleines Geschenk hab ich fuer die beiden auch – fuer Anne ein geramtes Bild und fuer Jason einen lustigen Fussabtreter. Anne gibt mir fuers Dinner heute abend eine Tuete Salat mit und waehrend ich von der Farm fahre lasse ich meinen Blick nochmal ueber die so wunderbaren Huegel hier schweifen.

Drei, Zwei, Eins – Meins

Mein

Eigentlich dachte ich immer daran mir ein Auto auf einem Carmarkt zu kaufen, wo andere Backpacker Ihre Wagen anbieten. Das ich das erste Mal in meinem Leben auf eine Auktion gehe und dort dann auch nicht nur eine Vase sondern gleich ein Auto ersteigere, hätte ich mir vor ein paar Wochen auch nicht erträumen lassen.
Um 12Uhr Mittags beginnt die Versteigerung. Zuerst lasse ich mich registieren, muss meinen Führerschein vorzeigen und mir wird die bidding number 6 zugeteilt. Anschließend schaue ich mir mit Jason alle Wagen an. Drei würden in Frage kommen und diese fahren wir nacheinader alle zur Probe und untersuchen sie auf Mängel. Gut, das Jason sich damit auskennt. Und dann geht die Auktion auch schon los. Die Leute bieten auf das Auto, welches jeweils hereingefahren wird. Mein Favorit kommt schon um 12:05Uhr, aber ich gebe noch kein Gebot ab. Da sich auch kein anderer Bieter findet, senkt der Auktionator den Preis nacheinander ab und als es mir zu heiß wird, hebe ich meine Bieterkarte.
Drei, Zwei, Eins – der Hammer fällt das Auto gehört mir! Ich fahre damit zurück zur Farm und nehme alle Knöpfe im Auto noch einmal ganz genau unter die Lupe. Ich kann es noch nicht so recht glauben, ein winzig kleiner Platz in Neuseeland, der jetzt mir gehört, mir ganz allein, das ist ein schönes Gefühl.

Nachmittagsausflug zu den nahen Wasserfällen

(Kurzer Ausflug zu den 26m hohen Whangarei Falls, die sich nicht weit weg von der Farm befinden)